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Bericht im PDF-Format: Alaska-Kanada Light .PDF (0,3 MB)

Alaska - Kanada

 

1. Tag, 23.08.2014

Mein Flug nach Anchorage startete erst um kurz vor 14 Uhr, so daß ich am Morgen ganz gemütlich aufstehen konnte. Der Zug ab Bad Camberg fuhr um 9:40 Uhr los und brachte mich inklusive zweimaligem Umsteigen in 75 Minuten zum Flughafen, so daß mir dort noch etwas Zeit blieb. Jörg und Stephanie standen schon am Schalter im Terminal 1 und gemeinsam checkten wir ein. Die beiden gingen dann gleich durch die Passkontrolle, doch ich wollte eigentlich noch einen Cache machen. Das blieb mir aber verwehrt, ich kam zu Fuß nicht über die Autobahn und für den Shuttlebus fehlte mir die Zeit. Also ging ich zurück ins Terminal und kam auch flott durch die Passkontrolle. Das Gate 4 war nicht weit, doch die Schlange davor war lang. Es ging auch nicht vorwärts, erst nach langer Wartezeit begannen die Kontrollen. Jörg und Stephanie wurden zur genauen Untersuchung herausgegriffen und weil ich so dumm war, mich zu ihnen zu gesellen, blühte mir das Gleiche. Wir mussten das volle Programm über uns ergehen lassen, inklusive Sprengstofftest und Körperscanner.

In der Maschine, einer Boeing 767 von Condor schlief ich heute nur kurz, den größten Teil des Fluges las ich, denn für das Bordprogramm auf dem Bildschirm, den jeder Platz besaß, wollte die Fluggesellschaft Geld haben. Die 7 Euro leistete sich nur Stephanie, dazu kam das Bier, das ebenfalls extra kostete. Wir überquerten Grönland in der Nähe des Pols und kamen bis auf die Höhe des 82‘ten Breitengrades, bevor wir uns Alaska von Norden näherten.

Nach 10 Stunden Flug landeten wir in Anchorage, dort war fast die gleiche Uhrzeit wie bei unserem Start in Frankfurt, denn auch die Zeitverschiebung betrug 10 Stunden. Die Einreise in die USA dauerte ewig, ich war der Letzte in der Schlange, da ich meinen Hut in der Maschine vergessen hatte und noch einmal umdrehen musste. Auch bei der Fahrt zum Hotel musste ich warten, der Shuttlebus hatte einen Platz zu wenig und durfte für mich ein zweites Mal fahren. Das Hotel war aber zum Glück nicht weit entfernt. Nachdem wir die Zimmer bezogen hatten, umrundeten wir drei anschließend den nahen Lake Hood, auf dem jeglicher Wassersport verboten ist, da er als Flugplatz für Wasserflugzeuge dient. Überall am Ufer sind dort die Maschinen festgemacht. Gut 6 bis 7 Kilometer dauerte die Runde und wir kamen pünktlich wieder am Hotel an, da für heute um 19 Uhr ein gemeinsames Essen zum Kennenlernen geplant war. In einem nahen Lokal stellte Elke unsere Reiseleiterin das Programm der nächsten Tage vor, eine Vorstellungsrunde hatten wir schon zuvor im Hotel gemacht.

Um 20:30 Uhr waren wir zurück und die meisten gingen nach dem langen Tag gleich ins Bett. Ich wollte aber nicht so früh in die Falle und ging lieber noch mal geocachen. Jörg begleitete mich. Ich hatte mir einen Nachtcache in der Nähe ausgesucht und wir konnten diesen nach anfänglichen Schwierigkeiten bei zunehmender Dunkelheit auch finden. Um 22 Uhr waren wir zurück in unserer Unterkunft Puffin Inn, wo ich zuhause anrief und vor dem Schlafengehen noch Ordnung in mein Smartphone brachte, während Jörg schon fleißig Holz sägte.

 

2. Tag

Um 5 Uhr wurde ich erstmals wach und schlief danach nur noch wenig bis 7 Uhr. Frühstück gab es unten in der Hotellobby, es war recht übersichtlich, doch wenigstens konnte man sich Waffeln machen. Um 8 Uhr packten wir unsere Taschen und Rucksäcke in den Trailer des Kleinbusses, darin waren auch die Zelte und unser Essen verstaut. Als erstes fuhren wir heute zu einem Supermarkt und kauften ein, danach mussten wir warten, bis der Outdoor-Laden in der Nähe aufmachte. Einigen von uns fehlten noch Ausrüstungsgegenstände und auch ich kaufte mir neue Schuhe, weil meine alten Turnschuhe ein sehr offenes Wesen zeigten.

Das Wetter spielte heute leider nicht mit, es war stark bewölkt und die meiste Zeit regnete es leicht. Wir fuhren jetzt nach Süden, machten aber bald darauf einen Stopp bei einem Sumpfgebiet, dem Potter Marsh. Dieses war erst durch den Bau eines Bahndammes entstanden und beherbergt inzwischen viele Vögel und auch
Lachse. Der Geruch dort war allerdings nicht angenehm. Auf der weiteren Fahrt gab es dann einen Halt an der Küste, wo in der Nähe eines Felsens oft Beluga-Wale zu sehen sind. Auch heute hatten wir Glück, ab und zu tauchte ein weißer Rücken aus dem Wasser auf. Weiter ging es jetzt zum Portage Gletscher mit seinem See, doch bekamen wir ihn nicht zu sehen, schon während des Baus des dortigen Infozentrums hat sich die Gletscherzunge zurückgezogen und ist inzwischen außer Sicht. Die meisten von uns sahen sich dort einen Film an, doch dazu hatte ich keine Lust, ich wartete draußen die halbe Stunde ab, die er dauerte. Dann machten wir einen kurzen Spaziergang zum Byron-Gletscher, wo aber auch nur noch Reste des Eises zu sehen sind. Auf der Strecke war das Tragen eines Regencapes recht sinnvoll.

Wir fuhren jetzt zum Primrose-Campingplatz, doch die anderthalb Stunden Fahrt dorthin verschlief ich komplett, trotz fehlender Kopfstütze. Zum Glück war es dort wenigstens von oben recht trocken, denn erstmals mussten die Zelte aufgeschlagen werden und das ging anfangs noch nicht flott von der Hand. Heute wurde auch gekocht, es gab Wraps mit Hackfleisch und Salat. Jeder wurde satt und es blieb noch einiges übrig. Wir hatten übrigens mit Mühe noch eine Plane an vier Bäumen befestigt, um darunter trocken zu bleiben, zum Glück war diese dann während des Rests der Reise nicht mehr nötig. Nach dem Essen machten wir drei noch einen Verdauungsspaziergang zu einem Cache, da er fast zwei Kilometer entfernt lag, kamen wir fast im Dunkeln um 22 Uhr wieder an den Zelten an. Fast alle waren da schon in ihren Schlafsäcken verschwunden. Ich musste allerdings noch aufbleiben und meinen Bericht zu Ende schreiben.

 

3. Tag

Die erste Nacht im Zelt dauerte recht lang und leider hörte der Regen auch immer nur kurz mit seinem Prasseln auf die Plane auf. Zum Glück blieb ich trocken, nur die Unterseite der Therm-a-Rest-Matte war etwas feucht. Wir entschlossen uns zum Frühstücken nach Seward zu fahren. Ich aß Pancakes mit Ei und Speck, dazu gab es Kaffee der auch nachgefüllt wurde. Von hier aus war es nicht mehr weit bis zum Hafen, wo wir um 11:30 Uhr mit einem Ausflugsschiff in die Resurrection Bay hinausfuhren. Als erstes besuchten wir dort einen Felsen, der auf einer Seite von Möwen belagert wurde, während die andere als Ruheplatz für Seelöwen diente. Hier blieben wir eine Zeitlang. An einem weiteren Felsen gab es danach Papageientaucher zu sehen, diese Vögel hatte ich bei meinem Island-Besuch vermisst. Auch einige Buckelwale entdeckte die Crew unseres Schiffes, doch waren sie weit weg und wir bekamen nur die Rücken und keine Flossen zu sehen.

Die weitere Fahrt wurde dann vom Seegang her etwas unruhig und ich war nicht der Einzige, der dies im Magen spürte. Ich legte mich aber auf die inzwischen freigewordene Sitzbank und konnte tatsächlich etwas schlafen. Pünktlich zur Ankunft am Aialik-Gletscher wurde ich aber wieder wach und konnte beobachten, wie große Eismassen abbrachen und donnernd ins Meer stürzten. Das war ein echtes Schauspiel. Sogar das Wetter spielte mit, denn die Wolkendecke riss auf. Während der Rückfahrt kam dann sogar noch die Sonne heraus. Dank ihr konnte man auch trotz kaltem Wind auf dem Oberdeck bleiben. Nahe der Küste fuhren wir nach Seward zurück, wo wir um 17:30 Uhr anlandeten. Elke gab uns eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt und ich machte mich sofort auf den Weg zur öffentlichen Bücherei, in der ein Cache versteckt war. Natürlich war er bei den Mysterys zu finden und dort in einem Buch versteckt. Da ich 5 Minuten vor der Schließung bekommen war, hatte mir die Angestellte einen Tipp gegeben. Auf dem Rückweg verwechselte ich einen Club mit einer Post, doch der nette Mann dort zeigte mir die richtige Post und brachte mich auch zurück zum Hafen. Dort wurde noch Bier eingekauft, bevor wir zurück zum Camp fuhren. Es wurde wieder gekocht, diesmal Spaghetti mit Fleischsoße. Bis wir zum Spülen kamen, war bereits die Nacht hereingebrochen und Probleme bereitete auch die Existenz von nur einem Geschirrtuch. Deswegen musste die Küchenrolle stark Federn lassen. Ich war heute nicht der Letzte im Zelt, musste aber noch einmal im Schlafanzug raus, ich hatte nämlich meine Flasche mit Apfelsaft im Rucksack vergessen. Wegen der vielen Bären ist es nämlich in Alaska angebracht, keine Lebensmittel in den Zelten zu lassen und auch Kosmetikartikel zu entfernen.

 

4. Tag

In der Nacht blieb es trocken und auch der Blick am Morgen aus dem Zelt zeigte nur Nebel zwischen den Bäumen und keine Wolken. Erstmals frühstückten wir am Bus, leider im Stehen. Jeder konnte sich Sandwichs für den Tag machen und bekam auch eine Orange und einen Apfel mit. Kurz vor 9 Uhr fuhren wir los und legten 18 Kilometer auf der Straße zurück bis zum Beginn des Trails, der zum Lost Lake führt. Inzwischen sahen wir nur noch blauen Himmel, doch unser Pfad führte auf der sonnenabgewandten Seite eines Hügels entlang, wodurch es zuerst noch kühl blieb. Als wir dann auf den Pfad der sonnigen Seite trafen, machten wir eine erste Pause. Nicht lange danach erreichten wir den höchsten Punkt der Tour, einen sanften Hügel, von dem aus man auch den noch 2 km entfernten See sehen konnte. Die Pause dort oben nutzte ich für ein Gruppenbild. Wir gingen nicht ganz bis zum See, unser Trail zurück zum Kenai Lake bog vorher ab. Eine Brücke führte über den Abfluss des Sees, kurze Zeit später machten wir dann eine längere Mittagspause. Ich machte einen Abstecher zum See hinunter und begegnete unterwegs einigen Murmeltieren. Sie hatten kaum Angst und ließen mich auf wenige Meter herankommen. Nach der Pause wanderten wir einige Zeit auf gleichbleibender Höhe in sanft hügeligem Gelände. Erst als wir den Kenai Lake sehen konnten, senkte sich der Weg hinab in den Wald. Da waren es aber noch 6 km bis zu unserem Camp. Im Wald war es oft sehr schlammig und man musste beim Laufen aufpassen, daß man nicht ausrutschte. Erst nach 17 Uhr sahen wir unsere Zelte vor uns, der Weg endete direkt am Lager. Elke ging los, um das Auto zurückzuholen, sie wollte trampen. Wir anderen machten erst eine Brühe aus asiatischen Instant Nudeln, später wurde noch Curry mit Reis gekocht. Als alle gegessen hatten tauchte Elke mit dem Wagen wieder auf, sie war tatsächlich mitgenommen worden. Mit dem Großteil der Gruppe fuhr sie dann noch die 25 km bis Seward, weil wir dort die öffentlichen Duschen besuchen wollten. Eine Grundreinigung war inzwischen bitter nötig. Kurz vor 23 Uhr waren wir wieder zurück.

 

5. Tag

Der Tag begann größtenteils trocken, nur galt das nicht für die Zelte, die mussten feucht abgeschlagen werden. Das Frühstücken und Zusammenpacken dauerte recht lange, so daß wir erst um 9:20 Uhr losfahren konnten. Zwischenzeitlich tröpfelte es leicht, doch bald darauf wurde das Wetter besser. Vor Anchorage machten wir noch einen ungeplanten Abstecher in eine Aufpäppelstation für verletzte und verwaiste Wildtiere. Dort gab es so ziemlich alles, was man normalerweise nicht sieht, Bären, Elche, Karibus und Bisons. Es war gut, daß wir hier hielten, viele Tiere sahen wir auf der späteren Reise nämlich nicht. Nach einer Stunde fuhren wir weiter in die Stadt, wo wieder Einkaufen angesagt war. Ich besorgte mir ein Inlett für den Schlafsack, Stephanie sich eine Decke. Die kühlen Nächte waren der Grund dafür. Nach einem Sandwich im Subway kauften wir noch Bier, ich mir außerdem Saft.

Wir verließen jetzt die Stadt in Richtung Nordosten und folgten erst dem Knik-River und dann dem Matanuska-River. Ein paar Mal machten wir unterwegs Fotostopps über dem breiten Flussbett, das aus viel Kies und wenig Wasser bestand. Gegen 18 Uhr erreichten wir den Matanuska-Gletscher, den man schon aus großer Entfernung von der Straße aus sehen konnte. Ausgehend von der Rezeption der Campsite führte eine Schotterstraße bis fast zur Gletscherzunge. Dort stellten wir für heute unsere Zelte auf. Ich half noch beim Kartoffelschälen, näherte mich aber dann noch im letzten Sonnenlicht dem Gletscher so weit wie möglich. Das hätte ich mir aber sparen können, die Bilder gelangen aus größerer Entfernung besser. Wir machten ein Lagerfeuer und grillten heute verschiedene Sorten Fisch, wobei erstmals so ziemlich alles gegessen wurde. Danach saßen wir noch eine Zeitlang am Feuer, doch langsam wurde es empfindlich kalt. Auch beim Schreiben machte mein Kuli schlapp, so daß ich auf den Filzschreiber umsteigen musste.

 

6. Tag

Wir mussten früh aufstehen, weil Elke schon um 7 Uhr losfahren wollte. Doch wurde daraus nichts, erst eine halbe Stunde später waren wir unterwegs. Trotz des neuen Inletts hatte ich im Zelt gefroren, der nahe Gletscher war daran wohl nicht unschuldig. Kaum losgefahren hielten wir auch schon wieder an, denn wir wollten heute in einem Lokal an der Straße frühstücken. Leider zog sich das über eine Stunde hin. Dabei hatten wir heute gut 800 Kilometer zu fahren.

Kaum wieder unterwegs machten wir bald die nächste Pause in Glennallen, wo wir auf den Richardson Highway abbogen. Dort vertraten wir uns für einen Moment die Beine. Auf diesem Highway blieben wir nur ein kurzes Stück, es ging bald darauf rechts ab in Richtung Tok, wo wir eine späte Mittagspause einlegten. Unterwegs sahen wir in der Ferne die Wrangell Mountains mit ihren schneebedeckten Spitzen. In Tok gab uns Elke eine Stunde Zeit, die ich für einen Geocache nutzte, der aber leider gut anderthalb Kilometer entfernt lag. Sicherheitshalber hatte ich mir aber ein paar Brote als Wegzehrung mitgenommen. Nach einem Kurzbesuch im Supermarkt ging es wieder weiter. Wir fuhren jetzt in Richtung kanadische Grenze, die wir am späten Nachmittag erreichten. Die schnurgerade Rodung auf dem 141’ten Längengrad konnte man beidseits der Straße kilometerweit verfolgen. Dabei zeigte mein GPS aber einen anderen Wert an. Die Grenze war hier gut 70 Meter zu Gunsten von Kanada verschoben. Unsere Ausreise verlief problemlos, die Einreise kam erst einige Kilometer später und dauerte etwas länger. Danach waren wir im Yukon und durften unsere Uhren wieder um eine Stunde zurückstellen. Wir machten auf der weiteren Fahrt noch einige Stopps um uns die Beine zu vertreten, das lange Sitzen in dem engen Bus auf Bänken ohne Kopfstützen nahm einen ganz schön mit.

Als Elke in Destruction Bay ein letztes Mal tankte war es schon lange dunkel geworden und es war inzwischen 23 Uhr. Zum Campingplatz am Kluane Lake waren noch weitere 30 Kilometer zu fahren, dort trafen wir kurz nach Mitternacht ein. Während Elke ein paar Dosen Chili aufwärmte, stellten wir bei starkem Wind die Zelte auf. Immerhin gab es saubere und warme Duschen und Toiletten, auch wenn der Strom aus dem Generator kam. Ich war als letzte noch auf den Beinen und schrieb meinen Bericht, erst um 1 Uhr kam ich in die Falle.

 

7. Tag

Heute gab es Frühstück um 7:30 Uhr, weil eher Entspannung angesagt war. Im Laufe des Tages war ein Rundflug vorgesehen, der im Reisepreis enthalten war. Da es nur eine Maschine und einen Piloten gab, mussten wir uns in drei Gruppen aufteilen. Sie wurden von Elke auch nacheinander die 25 Minuten zum Flugplatz kutschiert und später wieder abgeholt. Wir drei bildeten die zweite Gruppe und hatten jetzt erst einmal Pause bis 12 Uhr. Zu dieser Zeit kamen die ersten zurück. Der kleine Flugplatz lag am südlichen Ufer des Kluane Lake und dort bestiegen wir die Maschine, einen kleinen Hochdecker für maximal 6 Personen. Elke flog bei uns mit. Wir hatten Glück mit dem Wetter, trotz Wolken waren die Berge gut zu sehen. Die Maschine überquerte den Kaskawulsh Gletscher und flog hinauf aufs Eisfeld der Elias Mountains. Von dort werden mehrere Gletscher gespeist. An Tieren sahen wir nur Dall Schafe, doch die nahe Bergwelt war sehr beeindruckend. Der Flug dauerte nur eine Stunde, kam mir aber länger vor. Auch hatte ich das Glück neben dem Piloten zu sitzen. Elke brachte uns danach zurück zum Cottonwood Camp und holte die dritte und letzte Gruppe ab. Wir blieben bei den Zelten, verbrachten die Zeit mit Schreiben und Reden. Als die letzte Gruppe zurückkam, aßen manche von uns eine Kleinigkeit, danach konnte wer wollte noch mit Elke zu einem kleinen Spaziergang aufbrechen. Es ging zu der Stelle, an der beim Bau des Alaska Highways die letzten Teilstücke verbunden worden sind. Der Punkt liegt aber inzwischen nicht mehr auf der aktuellen Straße, sondern 50 Meter einen Hang hinauf an einem ungeteerten Schotterweg. So war der Highway aber auch am Anfang, ein besserer Feldweg. Bald darauf fuhren wir wieder zurück zum Camp, wo heute Würste gegrillt und Kartoffelbrei gestampft wurde. Währenddessen stiegen Jörg, Thomas und ich mutig in den See, wenn auch nur für kurze Zeit, das Wasser war eiskalt. So kam aber auch mal die Badehose zu ihrem Recht, ich hätte sie sonst umsonst mitgenommen. Nach dem Essen machten wir aus dem Grill- ein Lagerfeuer und versuchten uns im Rösten von Marshmallows. Leider fing es dabei an zu nieseln. Zum Schreiben zog ich mich deshalb kurz vor 23 Uhr in die eh nicht funktionierende Waschküche des Campingplatzes zurück.

 

8. Tag

Schon auf dem Rückweg zum Zelt fing es an zu regnen und auch in der Nacht hörte ich mehrfach die Tropfen auf die Plane prasseln. Am Morgen war es zum Glück trocken, doch eine dichte Wolkendecke hing über dem See und es war empfindlich kühl. Trotzdem frühstückten wir gemütlich und machten uns um 9:30 Uhr auf zur für heute geplanten Wanderung. Doch zuerst fuhren wir wieder an das südliche Ende des Sees und zur dort vorhandenen kleinen Geisterstadt Silver City. Hier wurden früher Fuchse wegen ihrer Felle gezüchtet, doch die Blockhäuser sind schon lange verlassen und verfallen. Die Ruinen lagen aber sehr malerisch versteckt im bunten Herbstwald. Von dort folgten wir dann einem schmalen Waldpfad mehrere Kilometer, bis wir in der Nähe seines Abfluss den Kluane Lake wieder erreichten. Am windigen Ufer blieben wir aber nur kurz, stattdessen gingen wir bald darauf den gleichen Weg wieder zurück. Nach dieser Alibi-Wanderung fuhren wir wieder zurück zum Campingplatz, hielten aber noch an einer Infostation für Dallschafe in der Nähe des Highways. Weit oben am Berg konnten wir auch viele der schneeweißen Schafe sehen, aber nur mit dem Fernglas als Tiere identifizieren. Für das bloße Auge waren es nur weiße Punkte.

Am Camp gab es jetzt eine Kleinigkeit zu essen, danach brach ich mit Jörg und Stephanie nochmal zu einer weiteren Tour auf. Leider gibt es wenige Wandermöglichkeiten am See, also folgten wir zuerst einem Flussbett, bis wir seitwärts einen schmalen Pfad steil aufwärts führen sahen. Dem folgten wir. Er ging erst über einen offenen Kamm und verlief dann im Wald, dort war er so schlecht zu sehen, daß einige orange Bänder an Bäumen zur Orientierung dienten. Doch nahmen dies kontinuierlich ab und es wurde sehr schwer, weiterhin auf dem Pfad zu bleiben. Dabei machten wir beim Laufen auch Krach und hatten ein Pfefferspray gegen Bären dabei, ihre Population ist am See recht hoch. Wir sahen aber keines der Tiere. Bei fast 1100 Metern Höhe gaben wir dann das Weiterkommen auf, wir waren immer noch unterhalb der Waldgrenze und fanden keine Spur mehr. Wir kehrten jetzt zum Camp zurück. Das am Morgen noch trübe Wetter war im Laufe des Tages immer besser geworden und beim Abstieg hatten wir noch einen tollen Blick über den See und auf die umliegenden Berge. Bei den Zelten waren die anderen bereits am Kochen, heute standen Bandnudeln mit Sahne-Pilz-Soße auf dem Programm. Dazu gab es Hähnchenbrust. Von den Nudeln blieb wieder eine Menge übrig, die Soße wurde komplett verputzt. Anschließend zündeten wir erneut ein Lagerfeuer an, doch ich verzog mich zum Schreiben wieder in die Laundry. Dort war es ruhiger und ich kam gut voran.

 

9. Tag

Der Morgen war zwar trocken, doch ein Stück klaren Himmel sahen wir nur in der Ferne. Heute wurden die Zelte wieder abgeschlagen, das erledigten wir noch vor dem Frühstück. Es ging auch recht gut, weil der Stoff zum Glück nicht mehr feucht war. Wir fuhren los, hielten aber bald darauf wieder an, weil wir jetzt durch ein Gebiet kamen, wo vor Jahren ein riesiger Waldbrand gewütet hat. Einige Schilder informierten darüber.

Weiter ging es nach Haines Junction, wo unsere Straße in einen anderen Highway mündete. Dort setzte uns Elke bei einem riesigen Infocenter ab, während sie weiter zum Tanken fuhr. Das Center war nett gemacht, mit interaktiven Informationen und freiem W-Lan.

Nach dem Aufenthalt dort fuhren wir weiter nach Whitehorse, wo wir nachmittags ankamen. Elke durchquerte erst die Stadt und brachte uns zur Fischleiter, einer Konstruktion um Lachse die Umgehung des Yukon-Staudammes zu ermöglichen. Elke fuhr die anderen später zurück in die Stadt, doch für mich war ein Cache in der Nähe, ein Rätsel das ich schon vor der Reise gelöst hatte. Ich hatte fast 2 Kilometer zu laufen, doch war der Anfang des Weges sehr malerisch gelegen, erst später musste ich der Straße folgen. Der Rückweg zog sich etwas hin, es dauerte eine ganze Zeit bis ich wieder die Stadt erreichte und dabei am Raddampfer Klondike vorbeikam. Diesen konnte ich ohne Eintritt besichtigen und bekam auch eine Beschreibung in Deutsch mit. Der Besuch war so interessant, daß ich fast eine Stunde blieb und erst bei Beginn des Regens weiterging. In der Stadt traf ich jetzt verschiedene andere aus unserer Truppe, hatte aber Hunger den ich erst recht spät in einem Burgerladen stillen konnte. Dort trank ich auch erstmals ein Rootbier, ein seltsames Getränk.

Kurze Zeit später trafen wir uns am Supermarkt und kauften dort das Essen für die nächsten Tage. Bis Inuvik würde es keine weitere Möglichkeit mehr geben. Nach 17 Uhr brachen wir dann auf in Richtung Norden, wobei Elke heute noch eine Menge Kilometer hinter sich brachte. Zuvor machten wir aber noch einen kurzen Abstecher nach Süden, Wir passierten dabei den Schwatka Lake und machten oberhalb des Yukon einen kurzen Fotostopp. In Carmacks wurde erneut getankt und auch Bier gekauft. Danach war es nur noch ein kurzes Stück bis zum Coal Mine Campground direkt am schnellfließenden Yukon. Hier blieben wir bis zum nächsten Morgen. Heute wurde gegrillt, es kamen riesige Steaks auf den Rost. Dazu gab es Kartoffeln und Salat, so daß alle satt wurden. Zwar war es windstill, dafür aber recht kalt. Jörg und ich saßen als schreibende Fraktion deshalb bald alleine am Tisch. Es war nach 23:30 Uhr als wir endlich fertig waren.

 

10. Tag

Jörg verließ schon um 6:45 Uhr das Zelt, ich blieb ein Viertelstündchen länger liegen. Es war wieder klar und kalt als wir die Zelte abbauten und danach frühstückten. Wir fuhren weiter in den Norden und machten heute unseren ersten Stopp an den Five Finger Rapids. Leider war der dortige Aussichtspunkt gut 700 Meter von der Straße entfernt und lag auch ein ganzes Stück tiefer, ein Besuch würde laut Elke etwa eine Stunde dauern. Da es dort aber einen interessanten Earthcache zu finden gab, rang ich ihr eine Viertelstunde ab und rannte los. Vor Ort reichte es nur für ein paar Fotos, dann war ich schon wieder auf dem Rückweg. Völlig geschafft stieg ich die vielen Treppen wieder hinauf und hatte oben auch noch Zeit für eine weitere Suche. Weiter ging die Fahrt bis StewartCrossing, wo wir unseren nächsten Stopp bei einem kleinen Infostand machten. Das Interessanteste war die alte Indianerin, die dort ausharrte und auf Gäste wartete. Wir überquerten jetzt den Stewart River und bogen nach Nordwesten ab. Eine ganze Zeitlang fuhren wir in diese Richtung, bis wir das Tintina Trench Valley erreichten. Dort treffen zwei Erdplatten aufeinander und verschieben sich gegeneinander. Wir machten jetzt Mittag und aßen den Nudelsalat, der aus den Restnudeln von vor zwei Tagen gemacht worden war.

Auf der weiteren Fahrt erreichten wir bald darauf die Abzweigung zum Dempster Highway, wo es wieder eine Tankstelle gab. Während Elke noch den Tank füllte, liefen wir schon über die Brücke, die hier den Klondike überquert. Elke sammelte uns wieder ein und kurz darauf passierten wir den 64’ten Breitengrad. Weiter ging es nach Norden. Heute sah man kein Wölkchen am Himmel, erst gegen Abend zog es sich wieder zu. Einen längeren Stopp legten wir dann am Tombstone Information Center bei Kilometer 74 ein und besuchten später auch noch den Aussichtspunkt in der Nähe.

Der Dempster Highway ist nicht geteert, weswegen wir auch nicht besonders schnell vorankamen. Immerhin erreichten wir heute noch eine Höhe von über 1000 Metern und fuhren durch eine sehr karge Landschaft. Nach einem Pass auf 1085 Metern ging es aber wieder abwärts und auch die Bäume nahmen wieder zu. Nach fast 200 Kilometern heute auf diesem Highway erreichten wir das Engineer Creek Camp, wo wir übernachteten. Heute gab es Lachs und Nudeln, wir aßen sie in einem Unterstand der sogar einen Ofen besaß. Dafür fehlten ihm allerdings Fenster, die Öffnungen waren nur mit Mückengitter verschlossen. Auch Duschen suchten wir vergebens, die würden wir erst wieder in Inuvik haben, was wir aber jetzt noch nicht wussten.

 

11. Tag

Morgens fing es kurz an zu nieseln, doch dauerte das zum Glück nur wenige Minuten. Allerdings trieben mich die Geräusche aus dem Schlafsack, ich wollte unser Zelt ja nicht nass zusammenlegen. Jörg war schon früher aufgestanden. Nach dem Frühstück hatten wir bereits alles eingepackt, als wir uns noch für eine Wanderung vor Ort entschieden. Elke wusste von einem Pfad in der Nähe, doch hatten wir zuerst 1,5 Kilometer auf der Straße bis zur nächsten Brücke laufen. Dort mussten wir dann nach als nächstes nach dem Weg suchen, da er kaum zu erkennen war. Durch lichten Wald ging es recht steil aufwärts, stellenweise war es matschig. Nach einer halben Stunde hatten wir fast die Baumgrenze erreicht und machten eine kurze Pause, bevor wir zum Kamm des Mount Sapper weiterliefen. Das Wetter war zwar nicht besonders, trotzdem hatten wir von oben einen tollen Blick. Nach etwa 3 Stunden, 7 Kilometern und 300 Höhenmetern waren wir wieder zurück am Camp, wo Gerti noch im Bus lag. Sie war nicht mitgegangen.

Wir fuhren jetzt los und machten eine Zeitlang keinen Halt, doch überstieg unsere Geschwindigkeit selten 60 km/h, mehr war nicht drin. Den ersten Stopp für heute machten wir schließlich auf dem Plateau der Ogilvie Ridge, wo man auch einen weiten Blick hatte. Weiter ging es danach bis Eagle Plaines, einer Tankstelle mit einfachem Hotel, wo wir eine späte Mittagspause einlegten. Dank Wi-Fi konnten Mails gelesen werden und Jörg und ich aßen einen ordentlichen Hamburger. Duschen wäre auch möglich gewesen, es fehlte uns aber dafür die Zeit. Nach weiteren 35 Kilometern erreichten wir den Polarkreis bei N 66° 33‘, wo wir an einem Schild hielten und uns die Zeit für ein Gruppenbild nahmen. Auch ich konnte hier meinem Hobby nachgehen. Bis zum heutigen Camp war es jetzt nicht mehr weit, nur noch etwa 40 Kilometer zu fahren. Dann erreichten wir den Rock River Campground, ein Spiegelbild des Camps vom Tag zuvor. Wieder gab es eine Hütte nur mit Fliegengittern, darin einen Ofen und diesmal ein Flüsschen mit rostrotem Wasser. Es wurde hier auch vor Bären in der Gegend gewarnt, einen Grizzly hatte die linke Seite im Bus kurz vorher auch gesehen, ich leider nicht. Nach Curry und Reis zum Abendessen waren Jörg und ich wieder die letzten in der Hütte. Natürlich schrieben wir.

 

12. Tag

In der Nacht hatte es etwas geschneit, doch nur an glatten Stellen hatte sich eine dünne weiße Schicht erhalten. Wie immer brauchten wir recht lange zum Frühstücken und wir schafften es heute auch nicht, den Ofen zum Laufen zu bringen. Das Wetter war leider nicht besonders, was uns besonders zu schaffen machte, als wir nach einiger Fahrzeit die Grenze zu den Northwest Territories erreichten. Dort wollten wir eine kleine Wanderung unternehmen, doch schon beim Aussteigen wurde uns fast die Autotür aus der Hand gerissen. Es war eisig, minus 2 Grad laut Thermometer und in den Wind musste man sich lehnen um nicht umzufallen. Einen Weg gab es nicht, wir liefen über eine gefrorene Steppe mit eisüberkrusteten Pfützen. Andreas und ich stiegen für den besseren Überblick einen Hang hinauf während die anderen unten blieben. Einige hatten den Bus erst gar nicht verlassen.

Nach etwa einer Stunde fuhren wir weiter, hatten aber recht bald darauf dank der guten Augen von Gerti eine Sichtung eines großen Grizzly, der zwar weit weg war, mit dem Tele aber gut beobachtet werden konnte. Wir hielten dort für eine kurze Zeit. Weiter ging es in Richtung Norden, doch jetzt musste mit der Fähre der Peel River überquert werden. Die Überfahrt war kostenlos und wir hatten den Fluss bald hinter uns. Nach wenigen Kilometern erreichten wir das Städtchen Fort Mc Pherson. Dort machten wir Mittag, gingen in den teuren Supermarkt und belegten zwei Bänke auf einer Wiese nahe dem Friedhof. Weiter ging es später zum Fluss Mackenzie, wo es eine zweite Fähre gab. Diese war zwar zu sehen, legte aber leider nicht an, da sich das Wetter plötzlich verschlechterte und Schneetreiben einsetzte. Wir warteten anderthalb Stunden, doch es trat keine Besserung ein. Also ging es zurück zum geschlossenen Camp am Peel River. Dort richteten wir uns bei jetzt plötzlich wieder klarem Himmel am Eingang ein. Es gab Tortellini, während das Thermometer auf den Nullpunkt sank. Um 23 Uhr war es noch hell, wir waren nach der Grenzüberquerung wieder in einer anderen Zeitzone, nur noch 8 Stunden hinter Deutschland. Wir würden aber früh aufstehen müssen.

 

13. Tag

Am Morgen maß ich eine Temperatur von minus 1 Grad im Zelt, gut daß ich diesmal die lange Unterhose angezogen hatte. Um 6 Uhr klingelte der Wecker, weil wir um 7:30 Uhr losfahren wollten. Deswegen schauten einige beim Frühstück auch ziemlich dumm aus der Wäsche, sie kamen zu spät. Trotzdem schafften wir es uns pünktlich auf den Weg zu machen und fuhren den Weg zwischen den beiden Fähren jetzt zum dritten Mal. Um 8:40 Uhr erreichten wir wieder den zweiten Fluss, gerade als die Fähre anlegen wollte. Diesmal kamen wir ohne Probleme hinüber. Bei strahlendem Sonnenschein brachten wir nun das restliche Stück bis Inuvik hinter uns, nur eine kurze Pause legten wir unterwegs noch ein. Um 11:30 Uhr gelangten wir dann am Anfang der Stadt an das Arctic Chalet, wo wir heute übernachten würden. Acht von uns bezahlten bald darauf je 500 Kanadische Dollar für einen Flug weiter nach Tuktoyaktuk, der am gleichen Tag um 16 Uhr starten sollte. Danach gab Elke uns noch einige Dinge aus der Lebensmittelkiste aus und verabschiedete sich, sie fuhr das Gespann gleich wieder den ganzen Highway zurück und weiter nach Dawson. Wir anderen würden die Strecke am nächsten Tag mit dem Flugzeug zurücklegen. Am Abend wollten wir uns dann dort wieder treffen. Wir hatten hier jetzt endlich die Möglichkeit zum Duschen und auch Hunger, so daß Jörg und ich die gerade erhaltenen Dosen Chili gleich öffneten. Danach gingen wir beide noch zu einem virtuellen Cache in der Nähe, bevor wir uns um 15 Uhr für die Abfahrt zum Flughafen bereitstellten.

Inklusive zweier Schweizer wollten 10 Personen fliegen. Doch am Terminal verzögerte sich der Abflug und nach einer halben Stunde sagte man uns, das Wetter sei sehr schlecht in Tuktoyaktuk. Ein Flug sei möglich aber nicht ratsam. Wir entschlossen uns deshalb für den Abbruch und waren um 17:30 Uhr wieder am Chalet. Wir drei gingen jetzt zu Fuß in die Stadt und nahmen dafür den Weg am Fluss entlang. Dieser dient im Winter als sogenannte Iceroad. Gleich am Anfang rostete ein Schiff vor sich hin, das ein ganzes Stück ans Ufer gezogen war. In Inuvik gab es nicht viel zu sehen, doch fanden wir eines der wenigen Lokale, mussten dort aber ziemlich gesalzene Preise bezahlen. Meine Pizza kostete 33 Dollar ohne Trinkgeld. Man merkte wie abgelegen der Ort ist. Den späteren Rückweg liefen wir dann am Bootlake entlang und kamen dabei kurz vor unserer Ankunft in der Lodge in ein heftiges Schneegestöber. Gerti war noch nicht zurück und hatte den Schlüssel, also blieb Stephanie eine Zeitlang bei uns im Zimmer. Lange hielt sie es aber nicht aus, bei uns wurde gemailt und geschrieben.

 

14. Tag

Das Schlafen in einem richtigen Bett war so angenehm, daß Jörg und ich erst um 8:15 Uhr aufstanden und dabei waren wir wohl noch bei den ersten. Das Wetter war aber auch nicht besonders und wir hatten keine Lust, vor der Fahrt zum Flughafen noch etwas zu unternehmen. Um 11:30 Uhr sollten wir abgeholt werden. Wir beide frühstückten mit dem was wir im Zimmer vorfanden und das war schon einiges. Später gingen wir zur Rezeption, um den Flugpreis der ausgefallenen Tour nach Tuktoyaktuk zurück zu bekommen. Das dauerte recht lange, so daß wir gleich darauf unser Gepäck ins Auto laden durften, denn kurze Zeit später fuhren wir los.

Heute ging der Flug jedoch in Richtung Süden und die Maschine war auch ein Stück größer, so daß wir uns diesmal auch in die Luft erhoben. Die Propellermaschine benötigte nur 90 Minuten für die Strecke, die wir zuvor in 4 Tagen gefahren waren. Ich saß direkt hinter dem Gepäckraum und konnte einmal sogar bei geöffneter Tür meine Tasche dort liegen sehen. Der Flughafen befindet sich 20 Kilometer außerhalb von Dawson und deshalb wurden wir dort von zwei Kleinbussen abgeholt. Sie brachten uns in die Stadt zum Hotel Eldorado. Wir konnten unsere Zimmer noch nicht beziehen, also suchten wir in der Zwischenzeit die Post auf, um ein paar Briefmarken zu kaufen. Danach durften wir hinein in die Zimmer, blieben dort aber nicht lange, in den nächsten drei Stunden wollten wir uns die Stadt ansehen. Wir drei machten einige Runden durch die Straßen, die aussahen wie direkt aus einem Western entnommen. Dann stiegen wir hinauf zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man aber nicht die Stadt im Nordwesten überblicken konnte, sondern nach Süden auf den Klondike schaute, der hier in den Yukon fließt. Also umrundeten wir den Ortskern bis nach Norden, bevor wir wieder in die Innenstadt zurückkehrten. Um 18 Uhr trafen sich fast alle zum Essen, nur Thomas und Steffi waren nicht dabei. Sie verpassten ein schlechtes Mahl im Jack London Grill, dort war nur der Preis außergewöhnlich. Um 20 Uhr wollten wir uns dann mit Elke bei Diamond Tooth Gerti treffen, einem Spielsalon mit Show. Elke war auch pünktlich mit dem Gespann angekommen und wartete schon. Heute war die Show umsonst, im Casino fand ein Pokerturnier statt. Gesang und Tanz dauerten aber auch nur eine halbe Stunde. Jörg und ich gingen dann noch in die Bar des Downtown-Hotels, um dort Mitglieder im Sourtoe-Cocktail-Club zu werden. Dazu muss man einen Hochprozentigen trinken, ohne den hineingelegten mumifizierten Zeh zu verschlucken. Nach diesem Test gesellten wir uns zu den anderen in eine Bar, wo ich aber nicht lange blieb. Schon vor der Lifemusik ging ich zurück aufs Zimmer.

 

15. Tag

Um 6:40 Uhr fing die Klimaanlage an zu röhren und frisch aus dem Schlaf gerissen konnte ich sie nicht abstellen. Das war aber in Ordnung, denn um 7 Uhr klingelte eh der Wecker. Wir frühstückten im Hotel, was natürlich extra bezahlt werden musste. Ich gab dort auch gleich ein paar am Abend zuvor erst geschriebene Postkarten ab. Kurz nach 8:30 Uhr war das Gepäck im Anhänger verstaut und wir fuhren los, zuerst zu einem Aussichtspunkt über der Stadt. Von dort aus konnte man die ganze Gegend prima überblicken. Danach ging es in das alte Goldgräbergebiet im Süden, wo wir zuerst einen alten Schwimmbagger, eine sogenannte Dredge, besuchten und weiter zum Ursprungsclaim des Goldrausches von 1896 fuhren. Auf dem Rückweg durften wir dann das Goldwaschen probieren, für 10 Dollar bekam man eine Pfanne Sand, in der aber auch garantiert 5-6 winzige Splitter des gelben Metalls zu finden waren. Später durchquerten wir Dawson erneut und hielten an um dort Mittag zu machen. Anschließend wurde noch für die nächsten Tage eingekauft.

Danach brachte uns eine Fähre über den Yukon und wir folgten dem Top of the World-Highway in Richtung Grenze nach Alaska. Es ging wieder über Schotterstraßen, so daß wir eine längere Zeit brauchten um den einsamen nördlichsten Grenzübergang der USA zu erreichen. Der Zöllner dort war sehr unfreundlich und hatte ein Problem mit Elkes fehlender Arbeitserlaubnis, ließ uns dann aber doch passieren. Endlos zog sich die Straße über die Bergkämme nach Süden dahin, manchmal sahen wir Goldgräber im Fluss, doch eine Siedlung gab es unterwegs nicht, bis auf Chicken. Dort wo alles auf Hühner eingestellt war, machten wir eine Pause. Danach fuhren wir die nächste Etappe bis Tok. Um 20 Uhr waren wir dort und gingen erneut einkaufen, zum Kochen war es jetzt aber zu spät und außerdem regnete es, also gingen wir Essen. Zum Glück erkundigten wir uns in Fast Eddy’s Restaurant nach der Größe der Pizzas, selbst an der kleinsten Version hatte ich ganz schön zu knabbern.

Später hatten wir noch weitere 20 Kilometer bis zum Moonlake Campingplatz zu fahren, wie fast immer gab es dort keine Duschen, kein Wasser, keinen Strom und nur Plumpsklos. Im Finstern und bei Regen wurden die Zelte aufgestellt, was der Stimmung nicht gut tat. Während die anderen sich in ihre Schlafsäcke kuschelten, musste ich noch bis 1 Uhr im Zelt schreiben, eine andere Möglichkeit gab es leider nicht.

 

16. Tag

Im Gegensatz zum Regen vom Vorabend begann der Tag mit strahlend blauem Himmel und es blieb auch so den ganzen Tag. Wir versuchten die Zelte zu trocknen, was aber nur teilweise gelang und packten sie erst nach dem Frühstück zusammen. Leider war heute erneut ein Fahrtag, doch wurde er bei dem schönen Wetter oft von Fotostopps unterbrochen. Die schneebedeckten Berge der Alaska Range waren in der Ferne sehr gut zu sehen. Nach 140 Kilometern kamen wir nach Delta Junction, wo der Alaska Highway offiziell endet. Dort machten wir einen kurzen Stopp und einen Tankstellenbesuch, bevor wir nach Süden abbogen und auf dem Richardson Highway weiterfuhren. Wir durchquerten die Bergkette an ihrem Rand und machten an einer schönen Stelle unsere Mittagspause. Es wurden zwei kleine Kuchen mit Kerzen aufgetischt, denn Stephanie hatte heute Geburtstag.

Nach 128 Kilometern Fahrt auf diesem Highway erreichen wir die nächste Abzweigung in dem winzigen Nest Paxson. Dort verließen wir die gute Straße und waren nach einigen Kilometern wieder auf Schotter und Kies unterwegs. Tiere bekamen wir dort nicht zu sehen, überhaupt war uns den ganzen Tag nur ein Karibu und eine Elchkuh mit Kalb begegnet. Nach weiteren 67 Kilometern Fahrt gelangten wir zu unserem heutigen Ziel, der Mclaren River Lodge. Die Sonne neigte sich schon wieder langsam dem Horizont zu und wir stellten deshalb als erstes die Zelte auf, obwohl wir sie heute nicht benutzen würden. Wir übernachteten in einer Holzhütte mit einigen einfachen Zimmern. Die Zelte waren aber immer noch feucht und jetzt war die Gelegenheit zum Trocknen günstig. Ich selbst machte später noch einen Spaziergang, während die anderen schon kochten. Zurück kam ich, als der Fisch fast fertig war und auch die Nudelsoße köchelte fleißig vor sich hin. Wir aßen im Freien, wo es inzwischen schon empfindlich kalt geworden war. Später führte ich dann die nötige Grundreinigung an mir durch und nahm dann mein Schreibzeug mit ins Haupthaus, wo der größte Teil der Gruppe schon an einem Tisch saß. Da mir klar war, daß ich bei den anderen nicht würde Schreiben können, setzte ich mich an den Nebentisch. Später kamen noch Jörg und Andreas zu mir. Die große Runde hielt es nicht bis 23 Uhr aus, sondern verschwand schon vorher in den Betten. Die schreibende Zunft schaffte es hingegen fast bis zur Sperrstunde auszuhalten.

 

17. Tag

Im Zimmer war es nicht sehr kuschelig gewesen und ich war froh im Gegensatz zu Jörg eine Tagesdecke auf meinem Bett zu haben. Deswegen wollte ich am Morgen auch nicht raus und verließ erst um 8:15 Uhr den warmen Platz. Wir frühstückten heute unser eigenes Essen, wobei es im Freien recht kalt war und auch das Wetter versprach nicht so schön zu werden wie am Tag zuvor. Mit dem Boot wollte man uns auf dem Fluss in Richtung Gletscher bringen, der wie der Fluss auch Mclaren hieß. Leider passten wir nicht alle in das Boot und wurden deshalb in Gruppen zu je sechs Personen kutschiert. Ich war bei der zweiten Gruppe und wir mussten recht lange auf die Rückkehr von der ersten Tour warten. In dieser Zeit spülten wir noch ab, holten Trinkwasser, beluden schon den Trailer und hatten dann doch noch einige Zeit zu warten. Mit dem Turbinenboot für flache Gewässer rasten wir dann endlich durch die Flussschleifen und kamen kurz vor Mittag an einem einsamen Zelt im Flussbett an, wo die erste Gruppe auf Campingstühlen sitzend auf uns wartete. Ab hier versuchten wir zu Fuß in Richtung des Gletschers vorzustoßen. Leider gab es keinen Pfad in dem riesigen und größtenteils trockenen Flussbett, so daß wir oft einen kleinen oder auch größeren Seitenarm überqueren mussten. Das ging kaum ohne nasse Schuhe vor sich und manchmal war es das Einfachste, einfach barfuß durch das Wasser zu laufen. Stephanie verknackste sich bei einem missglückten Sprung den Fuß und konnte fortan nur noch humpeln. Trotzdem kämpfte sie sich tapfer bis zu dem Hügel, den wir uns als Ziel ausgesucht hatten. Die Gletscherzunge wäre noch 3 Kilometer weiter gewesen, diese Strecke war wegen der vielen Umwege aber heute nicht zu schaffen.

Auf dem Rückweg zog ich dann nur noch zweimal die Schuhe aus, die restlichen Querungen gingen auch so. Wieder am Zelt angekommen machten wir eine kurze Pause, bevor das Boot wieder kam und noch ein Kanu brachte. 5 Kanus für 10 Personen waren jetzt vorhanden, Gerti und Stephanie nahmen das Motorboot zurück zur Lodge. Wir anderen bekamen von Elke jetzt einen Crashkurs im Kanufahren und bestiegen die Boote, wobei Andreas und Katrin gleich Bekanntschaft mit dem kalten Wasser machten. Nach vielen Übungen von Kurven und Wendungen ging es dann auf den Fluss, wo es anfangs doch noch recht chaotisch zuging. Erst nach und nach spielten sich die Paare ein. Jörg und ich übernahmen das Schlusslicht, weil es bei uns recht gut klappte und wir so von hinten aufpassen konnten. Während der Fahrt blieb jedes Boot mindestens einmal auf einer Sandbank hängen, konnte sich aber ohne Hilfe wieder von ihr lösen. Ansonsten blieben weitere Unfälle aus. Ab und zu sahen wir Biber, die aber sehr scheu waren und bei Annäherung unter Wasser verschwanden. Einmal beobachteten wir auch einen Seeadler auf einem toten Baum am Ufer. Um 19:30 Uhr waren wir wieder am Camp, später als geplant, wodurch jetzt die Zeit zum Duschen fehlte. Das Motorboot war uns auch kurz vor der Ankunft entgegen gekommen, man wollte nachsehen wo wir blieben. Wir aßen nämlich heute in der Lodge, doch schon bald darauf verabschiedeten sich so nach und nach alle in die Betten. Um 23 Uhr waren Jörg und ich alleine. Das Duschen holten wir zu später Stunde aber noch nach, denn im Denali Park würden wir dazu für drei Tage wieder keine Gelegenheit bekommen.

 

18. Tag

Am Morgen stand ich schon um 7 Uhr auf, weil ich einen Cache suchen wollte, den ich zwei Tage zuvor nicht gefunden hatte. Doch ich hatte auch heute Pech, ich kehrte ohne Fund um 8 Uhr rechtzeitig zum Frühstück zurück. Dieses gab es heute in der Lodge, typisch amerikanisch und sehr mächtig, so daß ich am Mittag nichts mehr zu essen brauchte. Heute lagen noch 90 Meilen Denali Highway vor uns, nachdem wir das Gepäck eingeladen und kurz nach 9 Uhr auf die Piste gefahren waren. Der Himmel war recht bewölkt, es blieb aber zum Glück trocken. Wieder kamen wir nur langsam voran und machten auch ab und zu mal einen Fotostopp. An Tieren sahen wir unterwegs nur einen scheuen Elch und ein Stachelschwein, der Grund dafür waren wohl auch die Unmengen an Jägern, die links und rechts der Straße campten und schweres Gerät dabei hatten. Die Mittagspause machten wir an der Straße und kamen nach einer weiteren längeren Fahrt endlich wieder auf ordentlichen Teer. Kurze Zeit später mündete unser Weg dann in den George Parks Highway. Wir bogen nach Norden ab und kamen bald darauf zum Denali Nationalpark. Etwas später gelangten wir dann zum hiesigen Visitor-Center, wo Elke unsere Anmeldung überprüfte. Danach fuhren wir fast bis zum Ende des für private Fahrzeuge zugelassenen Teils der Parkstraße. Unterwegs hielten wir dabei kurz an einer Stelle, wo viele Leute herumstanden. Hier war ein schaufelloser Elch nicht weit von der Straße beim Äsen zu sehen. Unser heutiges Ziel war der Savage River Campingplatz, wo erst mit dem Platzwart diskutiert werden musste, der uns zugewiesene Platz war für 8 Zelte völlig ungeeignet. Zum Glück durften wir auf einen anderen Platz wechseln und während wir dort waren, kamen auch keine weiteren Zeltcamper an. Übrigens hatte der andere Zeltplatz in der Gegend alles das, was es hier wieder nicht gab: Duschen, Waschmaschinen, Strom und WLAN. Wie immer wurde auf Kosten der Gäste gespart. Die Zelte wurden aufgestellt und gleich darauf mit dem Kochen begonnen. Elke fuhr in dieser Zeit für Einkäufe in das nächste Städtchen. Gemüse und Kartoffeln waren bald fertig und auch das Lagerfeuer brannte. Mit Mühe hatten wir etwas trockenes Holz zusammengetragen. Andreas legte die Steaks erst auf, als Elke nach zwei Stunden wieder da war. Das Fleisch war wieder besser als alles was wir hier in den Restaurants gegessen hatten. Nachdem alle satt waren verbrannten wir das letzte Holz und blieben am Feuer sitzen. Als es dann langsam niederbrannte, nahmen auch die besetzten Plätze ab.

 

19. Tag

Am Morgen ging das Frühstück recht flott vonstatten, das Gas zum Kochen war nämlich alle und es gab weder Tee noch Kaffee. Deshalb verließen wir bald darauf den Platz, einmal um einen Kaffee zu besorgen und auch um die Rundflüge über den Denali Park zu bestätigen. Bis wir in diesem Touristendörfchen abgeholt wurden, waren noch zwei Stunden Zeit, die wir mit einem Rundgang durch Denali Village verbrachten. Jörg und ich gingen noch bis zur nächsten Brücke und kehrten auf dem Rückweg auch kurz beim Subway ein. Um 11:15 Uhr wurden bis auf Thomas, Stephanie und René alle abgeholt und zu dem kleinen Flughafen ein Stück weiter nördlich gebracht. Wir wurden nach Gewicht in der Maschine verteilt, wobei Gerti und ich ziemliches Pech hatten. Wir beide hatten als einzige kein Fenster am Platz und das bei einem Rundflug. Eigentlich hätte ich sofort wieder ausseigen sollen, dann hätte ich mir einiges an Ärger erspart. Wir flogen los und das bis zum Mount McKinley, doch ich bekam ihn praktisch nicht zu sehen. Von der Außenwelt bekam ich nur was mit, wenn ich den Kopf zwischen die Knie nahm und am Pilotensitz vorbei durch die milchige Scheibe starrte. Auch die geplante Gletschrlandung gab es nicht, weswegen ich bei der Rückkehr nach 2,5 Stunden ziemlich sauer war. Gerti und ich beschwerten uns, bekamen mit viel Mühe aber nur 100 Dollar erlassen.

Man brachte uns jetzt zurück zum Denali Village, wo Elke wartete und uns zum Campingplatz fuhr. Es war jetzt schon halb 5 Uhr nachmittags und die anderen wollten eine Kleinigkeit essen, doch dazu war ich noch zu aufgeregt. Ich wollte nicht bleiben, sondern machte mich gleich auf den Weg zu einer Abendwanderung. In der Nähe unseres Camps begann ein alpiner Trail, dem ich noch folgen wollte. Mit einem unserer beiden Barensprays bewaffnet lief ich zuerst durch ebenen lichten Wald, dann immer steiler durch karger werdende Vegetation. Große Tiere sah ich keine und nach etwa einer Stunde hatte ich den höchsten Punkt des Weges erreicht. Dort verließ ich den Trail, um noch ein Stück höher zu steigen. Über einen moosigen Grat ging das recht leicht. Nach einem Rundblick an exponierter und windiger Stelle ging ich auf dem Pfad weiter und jetzt langsam wieder abwärts. Einige kleine Nager sah ich, die nicht besonders scheu waren und sich fotografieren ließen. Das letzte Stück ging dann steil zwischen Felsen hinab und um kurz vor 19 Uhr kam ich wieder an die Straße. Allerdings war ich jetzt 4 Kilometer vom Camp entfernt und weiter drin im Nationalpark. An dieser Stelle ging der Teer in eine Schotterpiste über. Ich fragte eine Rangerin nach den Bussen und stellte mich dann am Straßenrand auf, der nächste Bus war nämlich schon in Sicht. Es war zum Glück einer von der grünen Sorte, der auch anhielt und mich kostenlos bis zum Campingplatz mitnahm. Dort waren nur Elke und René, alle anderen waren mir ein Stück hinterher gelaufen. Zum Essen gab es heute Würstchen mit Kartoffelpüree, beim Spülen danach war es schon wieder merklich kühl.

 

20. Tag

Heute klingelte der Wecker schon um 6 Uhr und ich stand auch schon um 6:30 Uhr auf, denn um 7:15 Uhr sollten wir loslaufen, weil eine Viertelstunde später unser Bus an der Haltestelle ankommen sollte. Wir waren pünktlich dort, der Bus aber nicht, statt um 7:45 Uhr kam er erst 25 Minuten später. Auch war er schon halb voll, wobei alle Fensterplätze belegt waren. Für uns blieb nur der Mittelgang. Da aber viele der anderen Mitfahrer zusammengehörten und jetzt Fremde neben sich sitzen hatten, wurde bald darauf umsortiert, wobei ich einen Fensterplatz auf der linken Seite ergatterte. Das Wetter war heute Spitze, keine Wolke war am Himmel zu sehen und es wurde in dem Klapperbus auch recht warm. Leider meinte es die Tierwelt nicht so gut mit uns, auf der ganzen langen Strecke bis zum Wonderlake sahen wir nur zwei Grizzlys in großer Entfernung und keine weiteren Tiere. Ab und zu gab es Pinkelpausen und Fotostopps, der Fahrer wiederholte die Abfahrtszeiten gebetsmühlenartig gut zehn Mal. So sollte es wohl auch der Blödeste kapieren. Am Eielson Visitor Center machten wir einen längeren Halt, doch schon vorher konnten wir den Mount McKinley gut sehen. Hier dominierte er die Bergkette. Um 12:45 Uhr kamen wir endlich zum Wonderlake, wo es ganze 45 Minuten Aufenthalt gab. Ich drehte eine Runde und sonderte mich von den anderen Touristen ab, war aber pünktlich wieder am Bus, denn einen freien Platz in einem anderen Gefährt zu finden, war hier Glückssache. Die Rückfahrt dauerte fast so lange wie die Hinfahrt, hier unterwegs noch eine Wanderung einzulegen war nicht möglich, dafür fehlte einfach die Zeit. Wenigstens hatten wir das Glück noch einen Grizzly zu sehen und das nur 30 Meter von der Straße entfernt. Endlich konnte ich mal ein Tier formatfüllend aufnehmen. Um 17:30 Uhr kamen wir an den Beginn der Teerstraße zurück, ab dieser Stelle durften Privatautos nicht weiterfahren. Die letzten 3 Kilometer wollten Jörg, Stephanie, René und ich zu Fuß gehen, jedoch nicht an der Straße, sondern am Savage River entlang. Es gab zwar Pfade, aber die waren wohl von Tieren ausgetreten, teilweise mussten wir durch Hecken brechen und immer wieder Seitenarmen des Flusses ausweichen. Wir fanden jedoch jedes Mal wieder einen Weg und waren um 19 Uhr zurück am Lager. Heute wurde das letzte Mal gekocht, es gab Gemüsesuppe aus den Resten des Vortags. Es wurde auch noch einmal ein Lagerfeuer angezündet.

 

21. Tag

Wir hätten in der Nacht vielleicht Nordlichter sehen können, wenn der Mond nicht so hell geschienen und es auch nicht bewölkt gewesen wäre. Auch so kam ich spät aus den Federn, ob wohl ich schon seit längerer Zeit so manchen Nachbarn hatte vorbeilaufen hören. Gefrühstückt wurde nicht, nur die Zelte mussten eingepackt werden. Danach fuhren wir bei trübem Wetter hinein ins Städtchen. Dort sollte gegessen werden, doch war mir die Speisekarte aber zu kalorienlastig. Ich ging also wieder ins nahe Subway. Man bekam dort auch einen Kaffee zum Sandwich.

Heute war wieder fast nur Fahren angesagt. Einen Stopp machten wir bei einem Viewpoint, an dem man bei schönem Wetter den Mount McKinley sehen kann. Das war heute aber nicht der Fall. Einen Abstecher machten wir dann noch nach Talkeetna, was einen Umweg von über 40 Kilometern bedeutete, der Grund dafür erschloss sich mir aber nicht. Es gab dort zwar Touristen und Geschäfte, aber nichts Interessantes zu sehen. Wir aßen dort zwar zu Mittag, das hätten wir aber auch unterwegs machen können. Einen letzten Stopp gab es noch beim Startpunkt des Iditarod Trail Sled Dog Race, wo sich die meisten von uns 30 Minuten lang einen Werbefilm anschauten und Hundewelpen mit extremem Mundgeruch hätschelten.

Einige Zeit später kamen wir endlich in Anchorage an, doch als wir unser früheres Hotel Puffin Inn erreichten, war es schon 18:30 Uhr. Wir hatten jetzt etwas mehr als eine Stunde Zeit, um die lange vermisste Dusche zu nutzen und das Hinterwäldler Aussehen zu entfernen. Dann fuhr Elke uns zum gemeinsamen Abschiedsessen in ein Restaurant. Das war eine richtige Touristenfalle, Einheimische kamen nicht hierher und die Reiseleiter bekamen wohl Prozente, wie Gerti später noch von einer Verwandten in Anchorage erfuhr. Im Laden gegenüber gab es einen Schokoladenwasserfall, dem ich schnell einen Besuch abstattete. Er war als virtueller Cache gelistet. Die meisten von uns aßen Meeresfrüchte, ich erwischte leider Kochfleisch, doch war es zusammen mit dem ebenfalls gereichten Meerrettich ganz in Ordnung. Später fuhren wir noch in die Bar Chilkoot Charlie´s, wo es aber einigen von uns definitiv zu laut war. Am ruhigsten Platz dieser Kneipe warteten wir auf die Heimfahrt. Wieder im Hotel musste ich noch längere Zeit ins Internet gehen, da ich für den nächsten Tag einiges vorbereiten wollte. So kam ich erst spät ins Zimmer. Ich musste jetzt meine Tasche noch fertig packen, während Jörg schon im Bett lag. Da ich anschließend auch noch schreiben musste, wurde es leider wieder 2 Uhr, bis ich ins Bett kam. Dabei wollte ich am nächsten Tag doch recht früh aufstehen.

 

22. Tag

Um 6:30 Uhr klingelte der Wecker und nach weiteren 15 Minuten schaffte ich es aufzustehen. Das Frühstück war wie drei Wochen zuvor sehr übersichtlich, auch gab es wieder Papp-Teller und –Becher. Wir beeilten uns und brachten später unser Gepäck in einem kleinen Raum unter. Elke wollte uns um 9 Uhr in die Stadt fahren, doch solange wollten wir drei nicht warten. Unser Bus fuhr um 8:10 Uhr los, doch verließ ich Stephanie und Jörg nach einiger Zeit. Ich wollte heute noch cachen gehen und suchte deshalb einen Fahrradverleih auf. Den fand ich auch nach einiger Suche, doch öffnete er erst um 10 Uhr. Wieder hatte ich keine Lust solange zu warten. Also nahm ich wieder den Bus, da es bei den großen Entfernungen in Anchorage zum Laufen zu weit war. Nach meinem ersten Fund nahm ich dann ein Taxi zur zweiten Stelle und gleich darauf dasselbe Fahrzeug noch ein zweites Mal, den Rest lief ich. Busverbindungen sind in der Stadt recht dünn gesät. Die Busse werden meist auch nur von armen Leuten benutzt. Als ich dann nach meinem fünften Fund merkte, daß die Zeit langsam knapp wurde, suchte ich mir wieder eine Bushaltestelle und hatte gleich zweimal Glück. Einmal kam der Bus fast sofort und dann hielt er auch noch direkt vor dem Puffin Inn. Dort warteten bereits alle anderen, denn wunderbarerweise war unsere Abfahrt um eine Stunde vorverlegt worden. Ich kam gerade noch rechtzeitig.

Wir verabschiedeten uns von Elke. Gerti war bereits weg und sie hatte ich heute nicht mehr gesehen. Wir passten diesmal alle in den Shuttlebus und wurden das kurze Stück zum Flughafen gefahren. Dort gab ich mein Hauptgepäck ab, ging aber vor der Kontrolle noch etwas essen. Ich hatte ja seit dem Frühstück nichts mehr gehabt. In den Sicherheitsbereich kam ich erfreulich schnell hinein, die Untersuchungen waren lange nicht so streng wie drei Wochen zuvor in Frankfurt. Ich schaute mir die Auslagen der Geschäfte an und staunte über die hohen Preise, machte mich dann aber auf den Weg zum Gate. Dort war noch Einiges an Wartezeit zu überbrücken. Als dann zum Boarding aufgerufen wurde, drängelten sich alle Deutschen am Durchgang, obwohl mehrfach verkündet worden war, daß die Boeing 767 von hinten aufgefüllt werden würde. Zwar war die Maschine von Condor mit dem Namen „Achim“ in Retrofarben lackiert, innen war jedoch alles aktuell, fürs Bordprogramm und Alkohol sollte man extra bezahlen. Ich hielt mich an die Musik auf meinem Handy und konnte über mein USB-Kabel wenigstens etwas Strom abzweigen. Ansonsten versuchte ich nach dem kargen Essen etwas zu schlafen, was mir aber nicht so recht gelingen wollte. Selbst draußen wurde es beim Flug über Grönland nicht so recht dunkel.

 

23. Tag

Wenigstens ein bis zwei Stunden hatte ich schlafen können, als ich durch das Verteilen des Frühstücks geweckt wurde. Danach dämmerte ich bis zur Landung in Frankfurt vor mich hin. Mein Gepäck hatte ich recht schnell und nach der Verabschiedung von den Mitreisenden fuhr ich mit Jörg zum Hauptbahnhof. Dort trennten wir uns. Viele Eintracht Fans waren unterwegs für ein sonntägliches Heimspiel, daß dann aber verloren wurde. Auch eine Gruppe von Trickdieben und Bettlern machte den Bahnhof unsicher. Drei von ihnen sprachen mich innerhalb kurzer Zeit an, bekamen aber ein passende Entgegnung. Nachdem über eine Lautsprecheransage vor ihnen gewarnt wurde, verschwanden sie. Heute fuhr ich mit der Regionalbahn nach Bad Camberg, ich hatte eine Stunde warten müssen, den letzten Zug hatte ich knapp verpasst. Wenigstens musste ich nicht in Niedernhausen umsteigen. Meine Eltern hatte ich informiert, sie warteten schon am Bahnsteig.