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Iran mit Damavand

 

1. Tag, Samstag 26.08.2017

Heute begann meine Reise in den Iran, doch ich blieb noch den ganzen Tag in Deutschland. Es gab nur zwei mögliche Abflughäfen und statt für Düsseldorf hatten Jörg und ich uns für München entschieden. Meine Eltern brachten mich am Morgen nach Bad Camberg, von wo ich mit der Regionalbahn zum Frankfurter Hauptbahnhof fuhr. Dort traf ich bald darauf Jörg, der schon am Bahnsteig des ICE wartete. Trotz des heutigen Samstags war der Zug recht voll und so war ich froh, daß ich für ein paar Euros extra uns zwei Plätze reserviert hatte.

Schon kurz nach Mittag waren wir bei schönstem Wetter in der bayrischen Landeshauptstadt. Wir bezogen unser Zimmer in einem günstigen Hotel in der Nähe des Bahnhofs und dann schleppte ich Jörg nach einer kleinen Mahlzeit in den englischen Garten. Dort hatte ich im vorigen Jahr vergessen, einen Cache aus einer schwierigen Rätselserie zu suchen. Da die meisten davon über die ganze Welt verteilt sind, war ich froh, nach längerem Suchen hier einen Fund zu verbuchen.

Einen Wherigo hatte ich auch noch im letzten Jahr angefangen, bei dem es darum ging, Sehenswürdigkeiten in der Stadt aufzusuchen. Auch den hatte ich etwas stiefmütterlich behandelt und bei meinem letzten Aufenthalt nicht abschließen können. Hier im Park kamen glücklicherweise noch zwei Orte hinzu, so daß ich genügend Punkte hatte und der Final freigeschaltet wurde. Den suchten wir als nächstes und fanden ein schönes Diorama versteckt in einem Parkhaus. Danach absolvierten wir noch meinen dritten Sherlock-Cache in Neuperlach, konnten den Vierten aber nicht mehr anfangen. Zwei Smartphones waren für ihn nötig, doch das extra von mir mitgenommene alte Gerät fand nicht nur kein Netz mehr, sondern auch keine GPS-Satelliten.

Die Nacht-Tour war damit gestorben und wir begaben uns erneut zum englischen Garten. Würste mit Kraut waren dort unser Abendbrot, dazu gab es je zwei halbe Radler und außerdem Blasmusik aus dem Chinesischen Turm. In der Dämmerung machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Hotel, verpassten zwar eine Haltestelle, kamen aber trotzdem noch gut an. Das Zimmer hatte ich über Airbnb gebucht, es war zwar recht klein, besaß aber alles Notwendige. Jörg machte gleich ein Schläfchen, während ich mir das Schreiben wieder angewöhnte.

 

2. Tag, Sonntag

Wir frühstückten schon um 6:30 Uhr, hatten so aber genügend Zeit. Geplant war, die S-Bahn um halb 8 Uhr zum Flughafen zu nehmen, was dank der geringen Entfernung zum Bahnhof auch problemlos klappte. Fahrkarten mussten wir keine kaufen, ein Rail and Fly-Ticket war im Reisepreis enthalten gewesen.

14 Stationen blieben wir im Zug, der Flughafen Franz Josef Strauß war die Endstation. Einchecken und Passkontrolle gingen relativ problemlos vonstatten, nur einmal standen wir dabei in der falschen Schlange. Ich musste nicht einmal meinen Rucksack leeren, allerdings wurde das Innere anscheinend auf Drogen überprüft. Unser Flug hatte massiv Verspätung, statt um 11:10 Uhr flogen wir erst gegen 12:30 Uhr los. Ein paar der anderen Reiseteilnehmer hatten wir da schon identifiziert, aber noch nicht angesprochen.

Der gebraucht gekaufte Airbus der iranischen Fluggesellschaft Mahan Airlines benötigte etwa 4,5 Stunden bis Teheran, dank der Zeitverschiebung von zusätzlichen 2,5 Stunden ging dort gerade die Sonne unter. Zweimal hatte es unterwegs etwas zu Essen gegeben, doch die meiste Zeit schlief ich, oder biss mir an einem Sudoku die Zähne aus.

Am Gepäckband traf sich dann die komplette Gruppe zum ersten Mal. Daniel unser Reiseleiter stellte sich vor und auch Hossein, der lokale Guide für Teheran, nannte seinen Namen. In einem Luxus-Reisebus fuhren wir dann in die Stadt, bei voller Größe hatte er nur 26 Plätze, je 3 in einer Reihe. Im Dunkeln ging es bei leichtem Stau in die Innenstadt zum Hotel Mashad, das in der Nähe der ehemaligen amerikanischen Botschaft lag. Eine halbe Stunde gab man uns dort Zeit, danach verließen wir das Hotel für ein gemeinsames Abendessen. Für die meisten gab es Lamm, wie noch oft in den nächsten Tagen. Das Essen war OK, aber auch nichts Besonderes.

Zurück im Hotel tauschte Hossein Geld, ich bekam für meine 100 Euro 4 Millionen Rial, die dann für die ganze Reise ausreichten. Wir bekamen einen Kurs 1:40.000, was ganz in Ordnung war, beim späteren Souvenirkauf wurde mir allerdings ein Kurs von 1:45.000 berechnet, was noch besser war. Nachdem jeder noch 70 Euro plus 100.000 Rial in die Küchenkasse eingezahlt hatte, löste sich die Versammlung langsam auf. Etwas später wurde noch der Pass von Daniel angeliefert, er hatte ihn beim Kauf einer Telefonkarte am Flughafen vergessen.

Ich kam aber noch lange nicht ins Bett, ich hatte noch so einiges vorzubereiten und auch meinen Bericht zu schreiben. Zuhause anrufen musste ich auch noch. Da ich noch keine Telefonkarte hatte, musste ich die teuren Auslandsgebühren bezahlen. Nachdem ich auch noch geduscht hatte, war es schon fast 2 Uhr in der Nacht. Schon in weniger als 5 Stunden würde der Wecker klingeln.

 

3. Tag, Montag

Wir wurden um 6:30 Uhr geweckt und wegen des kurzen Schlafs war ich ziemlich gerädert. Ich blieb erst noch etwas liegen, war dann aber doch mit Jörg als Erster beim Frühstück und hatte auch schon fertig gepackt. Das Buffet war wohl typisch iranisch, es gab Linsensuppe, Fladenbrot, aber auch Eier und undefinierbare Würstchen. Der Raum war im obersten Stock des Hotels und dort war auch eine Außenterrasse vorhanden. Draußen saß jedoch niemand. Man konnte aber den Verkehr unten beobachten und zu den kahlen Bergen am Rand der Stand hinüberschauen.

Um halb 9 Uhr machten wir einen Spaziergang in die nähere Umgebung, sahen uns die ehemalige Botschaft der USA von außen an und gingen auch durch einen Park in der Nähe. Dort gab es viele Katzen und einige Fitnessgeräte, die von älteren Frauen benutzt wurden. Alle Frauen hatten natürlich das obligatorische Kopftuch auf.

Ab 10 Uhr wartete dann am Hotel ein Bus auf uns, leider diesmal ein einfacheres Modell. Er war aber für die schwierigeren Straßen in den Bergen geeignet, zu denen wir heute aufbrechen würden. Erst schien unser Fahrer noch etwas planlos durch die Stadt zu fahren, doch nachdem wir Teheran verlassen hatten, pendelte sich die Hauptrichtung Westen ein. Bis Karadsch behielten wir diese Richtung bei und bogen dort nach Norden ab. Jetzt ging es hinein in die west-östlich verlaufende Kette des Elburs-Gebirges, die dafür sorgt, daß der Norden Irans am kaspischen Meer ein gemäßigtes Klima besitzt, während der Süden des Landes doch zu großen Teilen aus Wüste und Steppe besteht.

Wir hielten unterwegs um Getränke zu kaufen und später erneut, um eine Wassermelone zu essen. Ich bekam auch eine Telefonkarte geliefert, die ich am Abend zuvor bestellt hatte, leider war sie aber im alten Format und damit erst einmal zu groß für mein Handy. Wir fanden zwar unterwegs noch einige Handyläden, die sie hätten kleiner schneiden können, die waren heute aber alle geschlossen.

Auf 2600 Metern Höhe machten wir Mittag, kurz vor einem Tunnel, der unter der Wasserscheide hindurch führte. Es gab eine typische iranische Suppe, hergestellt aus vielen Linsen und Joghurt. Nachdem wir später den Tunnel hinter uns gelassen hatten, fuhren wir wieder bergab und kamen bis auf 500 Höhenmeter herunter. Etwas später verließen wir aber die weiter nach Norden führende Hauptstraße in Richtung Südwesten und es ging erneut aufwärts. In Kelardascht hatten wir noch einen kurzen Aufenthalt, fuhren dann aber noch ein Stück bis zu einem Haus der iranischen Bergsteigerförderation. Dort bezogen wir zwei komplett leere Zimmer, die man sich mit ein paar Matratzen etwas gemütlich machen konnte. Allerdings waren sie nicht groß und wir mussten uns etwas einschränken. Eigentlich hätten wir in einer anderen Unterkunft übernachten sollen, doch die war dank einer großen Menge einheimischer Bergsteiger überfüllt. Nach einem Begrüßungstee bereiteten wir das Gepäck für die nächsten Tage vor. Wir mussten nicht alles mitnehmen, sondern konnten einen Teil der Sachen hier zurücklassen und auf dem Rückweg wieder abholen. Um 20 Uhr trafen wir uns dann zum Essen und saßen anschließend noch lange zusammen.

 

4. Tag, Dienstag

In der Nacht schlief ich nicht gut, die Matratze war nicht besonders dick und Jörg gab sein Bestes, um seine Zimmernachbarn zu unterhalten. Ab 4 Uhr benutzte ich dann doch meine Ohrstöpsel und wurde prompt als Letzter wach. Das Frühstück war recht einfach, gebackene Eier und etwas Fladenbrot, dazu Tee oder Instantkaffee. Jeder von uns bekam eine Menge süße Snacks für die nächsten Tage mitgegeben, da war es gut, daß ich so einiges von meiner Klamotten aussortiert hatte. Ich hatte sie in eine kleine Tasche gepackt, die dann später zur anderen Unterkunft gebracht wurde. Zu der, die tags zuvor voll gewesen war.

Das restliche Hauptgepäck wurde auf zwei offene Trucks geladen und die meisten von uns mussten sich auf der Ladefläche hinzugesellen. Fast zwei Stunden fuhren wir jetzt auf extrem schlechten Straßen in die Berge hinein und irgendwann erhob ich mich von der harten Sitzfläche, mir tat inzwischen der Hintern weh. Auf 3300 Metern Höhe war dann auch dieser Weg zu Ende und es ging nur noch zu Fuß weiter, wobei zum Glück aber unsere großen Taschen von Eseln transportiert wurden. Dazu kamen dann noch die Zelte samt einem Küchenzelt, ein Tisch und Stühle und natürlich die Verpflegung.

Gleich am Anfang war ein Bach zu überqueren und die meisten Wanderer benutzten dazu den Rest einer Eisbrücke, die vom letzten Winter übriggeblieben war. Für uns Touristen war das wohl aber zu gefährlich, also errichteten unsere Guides mit Steinen eine Art Übergang im Bach, damit wir recht trockenen Fußes hinüberkamen. Für ihre Füße galt das nicht. Direkt im Anschluss begann dann der Aufstieg, es folgten 500 Höhenmeter, die wir in etwa 2,5 Stunden hinter uns brachten. Einige kurze Pausen machten wir in dieser Zeit aber auch noch. Trotzdem war 13 Uhr aber noch nicht lange vorbei, als wir das Camp für die nächsten zwei Übernachtungen erreichten.

Die Höhe machte allen zu schaffen, besonders beim Zeltaufbau wurde mir jedes Mal schwindelig, wenn ich mich aus gebückter Haltung wieder aufrichtete. Nachdem das Zelt stand, legte ich mich deshalb etwas hin und wäre auch fast eingeschlafen, obwohl die Sonne das Innere doch recht unangenehm aufheizte. Gegen 16 Uhr gab es im Kochzelt einen Imbiss, eine Gemüsesuppe mit Keksen und ein paar Datteln dazu. Etwas später konnten wir dann eine große Gruppe Iraner beobachten, die auch zu unserem Tal aufstiegen, aber etwas weiter unten ihr Lager aufschlugen. Trotzdem gab es mit ihnen danach noch viele Gespräch und noch mehr Fotos, viele Iraner sind sehr interessiert daran, mit Ausländern in Kontakt zu kommen. Nachdem die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, wurde es schnell recht kalt und bald fanden sich alle im warmen Kochzelt ein. Das Essen heute Abend war reichlich und typisch iranisch, nur mit dem Wasser sah es mau aus. Später schlug ich mich dann in die hier nicht vorhandenen Büsche, das Toilettenzelt wollt ich mir nicht antun, das war einfach zu eklig. Als ich zurückkam, waren alle bereits in ihren Schlafsäcken verschwunden. Ich schrieb aber noch meinen Bericht fertig, was ohne Ablenkung jetzt viel schneller ging und wünschte um 21:30 Uhr unseren iranischen Guides eine gute Nacht.

 

5. Tag, Mittwoch

Ich schlief erneut schlecht in dieser Nacht, musste mich auf dem harten Boden oft umdrehen und ging gegen Mitternacht auch mal austreten, was mir sonst eher selten passiert. Trotzdem ging es mir am Morgen recht gut und auch die Kopfschmerzen vom Vortag waren fast verschwunden. Um 8 Uhr gab es das Frühstück, was von der Art ganz in Ordnung war. Um 9 Uhr wollten wir dann zu unserer heutigen Wanderung aufbrechen, wobei ich mich aber verspätete und das Losgehen etwas nach hinten verschob. Ich hatte meinen Tagesrucksack noch nicht fertig gepackt.

Wir gingen los in Richtung Süden, Mustafa war der Erste, es folgten Daniel und der Rest der Gruppe, den Abschluss bildete Farid. Amir blieb im Camp. Erst gingen wir noch ein Stück abwärts durch das Tal hindurch, doch dann begann der Aufstieg. Schon kurze Zeit später erreichten wir bei 3960 Metern Höhe den kleinen See Hesarchal, wo wir eine kurze Pause einlegten. Anschließend stiegen wir den Nordwesthang des Berges Lashgarak hinauf, zur Akklimatisierung in sehr langsamem Schritt. Unterwegs knackten wir die 4000 Meter Höhe, was auch für einen kurzen Stopp genutzt wurde. Es dauerte nicht lange, bis wir den Gipfel des Berges in 4260 Metern erreichten. Hier legten wir jetzt eine längere Pause ein. Die Jacke musste ich nicht anziehen, das Wetter war heute so schön, daß mir den ganzen Tag über das Fleece genügte.

Geplant war für heute noch, als zweiten Berg den Gardonkuh zu besuchen. Doch nicht alle gingen mit. Rüdiger hatte Magenprobleme und stieg ab, begleitet wurde er von Karin, Thomas und Farid. Wir anderen folgten einem Grat nach Westen, der erst fast 200 Meter abwärts ging, um dann wieder aufzusteigen. Der Weg wurde war hier schlechter und wir mussten ab und zu etwas aufpassen. Schließlich erreichten wir eine Höhe von 4400 Metern und hatten damit unseren zweiten Berg für heute bestiegen. Auf dem Gardonkuh gab es einen tollen Rundblick und wir konnten auch unser Ziel für den kommenden Tag, den Alam Kuh überblicken.

Nach einer längeren Pause, während der wir auch zwei Bartgeier sahen und viele Fotos machten, gingen wir ein Stück des Weges zurück, um dann durch wegloses Gelände abzusteigen. Wir kamen erneut zum See Hesarchal, dieses Mal aus Richtung Westen. Kurz vorher war aber noch ein Schneefeld zu durchqueren.

Am Camp gab es kurz nach der Ankunft eine heiße Suppe zur Teezeit. Danach hatten wir etwas Freizeit, wobei wieder viel mit den Iranern der anderen Gruppe gesprochen wurde. Das Abendessen war heute etwas früher, nämlich schon um 19:30 Uhr, da wir am nächsten Morgen früh aufstehen würden. Schon um 20:45 Uhr waren alle in ihren Zelten verschwunden, nur ich hatte noch weitere 20 Minuten zu schreiben.

 

6. Tag, Donnerstag

In dieser Nacht schlief ich miserabel, ich drehte mich hin und her und bekam fast kein Auge zu. Selbst mit Ohrstöpsel fand ich nur wenig Ruhe. Um 4:45 Uhr klingelte der Wecker und ich ging mit starken Kopfschmerzen zum Frühstück. Um 5:45 Uhr wanderten wir bei noch kompletter Dunkelheit los, um die fast 1100 Höhenmeter bis zum Gipfel des Alam Kuh zu überwinden. Er ist mit 4850 Metern der zweithöchste Berg des Iran.

Am Anfang ging der Weg noch recht gleichmäßig und nicht zu steil aufwärts, doch als es dann hell wurde, mussten wir einen recht steilen Abhang voller Schutt überqueren. Schon recht weit oben merkte Roman, daß das mit seinen glatten Schuhen wohl doch nicht das Richtige war und wollte umkehren. Farid brachte ihn zum Fuß des steilen Abschnitts hinab und folgte uns dann wieder, während Amir heute die Führung übernahm.

Bei 4500 Metern mussten wir ein Stück in eine Senke hinab und hatten danach den Endanstieg über einen Grat, der nicht ganz ohne war. Es gab einige sehr steile Passagen und auch ein paar ausgesetzte Stellen, doch alle kamen glücklich oben an. Karin und Thomas gingen nicht ganz mit auf den Gipfel, sie blieben am letzten Abzweig zurück. Diesen Weg wollten wir später für die Rückkehr benutzen. Um 11:15 Uhr war der Rest von uns auf dem Gipfel und wir legten dort eine Pause von einer halben Stunde ein.

Für den Rückweg wählten wir allerdings doch die gleiche Strecke wie für den Aufstieg. Der andere Weg schien zwar etwas einfacher zu sein, doch war er auch mehr steinschlaggefährdet und wir wollten die anderen Bergsteiger, die auch noch unterwegs waren, nicht gefährden. Der Abstieg ging dann doch besser als gedacht, keiner von uns rutschte aus oder hatte größere Probleme.

Der Weg zog sich aber hin, erst gegen 15:30 Uhr waren wir wieder am Camp. Nach einer Suppe, die diesmal Mustafa gekocht hatte, musste das Gepäck vorbereitet und die Zelte abgebaut werden. Esel übernahmen wieder den Transport, während wir die 500 Höhenmeter zurück zur Straße hinabstiegen. Während die Iraner alle erneut am Schluss die brüchige Eisbrücke über den Bach benutzten, wurde für uns wieder ein Übergang aus Steinhaufen gebaut. Diesmal von Mustafa angelegt. Bald nach uns kamen die Esel mit dem Gepäck am Parkplatz an, die Taschen und Touristen wurden wieder auf zwei blaue Trucks verteilt. Diesmal stand ich von Anfang an auf der Ladefläche, die Fahrt war heute aber etwas kürzer. Wir fuhren nur bis zum Vandarbon Mountain Complex, wo zwei Tage zuvor auch unser Restgepäck gelagert worden war. Ich war froh, daß mein Fahrzeug das Vordere war, weil der zweite Wagen oft ziemlich nah aufschloss, mussten die dortigen Passagiere auf der Ladefläche ein paar Mal ziemlich viel Staub fressen. Sie waren davon nicht sehr begeistert.

Nach dem Beziehen der Zimmer (diesmal gab es sogar Stockbetten in ihnen) konnten wir endlich duschen, was ich auch gleich ausnutzte. Währenddessen bereiteten Farid und Amir das Abendessen zu. Mustafa hatte sich bereits verabschiedet, er war als Guide nur für diese Gegend zuständig. Das Essen war nach 21:30 Uhr und zog sich hin, da auch noch das Programm für die nächsten Tage besprochen werden musste. Danach hatten Jörg und ich noch zu schreiben, womit wir erst gegen 00:30 Uhr fertig wurden.

 

7. Tag, Freitag

Diesmal schlief ich einigermaßen gut, sogar ohne Ohrstöpsel, die aber in Reichweite lagen. Jörg lag nämlich im Stockbett genau über mir. Da es warm war, lag ich fast nur auf dem Schlafsack, hatte aber zur Sicherheit meine Isomatte auch noch auf die dünne Matratze gelegt. Ich wurde diesmal auch ohne Wecker wach, wartete mit dem Aufstehen aber noch ab, bis Friedrich sein Bett als Erster verließ. Danach wurde es lebendig im Zimmer und um 8 Uhr saßen wir am Frühstückstisch. Als Extra gab es heute Rührei mit Kartoffeln. Schon um 9 Uhr war der Bus beladen, der es trotz der schlechten Straße ab unserem ersten Übernachtungsplatz bis hierher geschafft hatte.

Wir hielten zum Einkaufen wieder in Kelardascht, doch wieder waren die gefundenen Handyläden zu und ich konnte erneut meine gekaufte Telefonkarte erneut nicht kleiner schneiden lassen. In einem Geschäft bezahlten einige von uns den doppelten Preis bei Getränken, doch als Farid das mitbekam, nahm er sich den Ladenbesitzer vor und wir bekamen das zu viel bezahlte Geld zurück.

Annette und Gerhard tauchten nicht pünktlich wieder am Treffpunkt auf und so fuhren wir mit etwas Verspätung weiter zum kaspischen Meer. Auf dem Weg dorthin fielen mir öfter die Augen zu, doch dann gab es einen Stopp bei einem Ort namens Hamzeh Deh für ein Bad im größten Binnenmeer der Erde. Dort hatte ich Pech, ich trat mit voller Wucht und blanken Füßen gegen ein im Sand vergrabenen Felsen. Der linke mittlere Zeh lief daraufhin dunkelblau an und auch die beiden größeren Zehen hatten etwas abbekommen. Im Wasser war ich trotzdem, es war angenehm warm und kaum salzig. Auch unsere Frauen durften mit hinein, mussten dazu aber vollständige Arme und Beine bedeckende Kleidung samt Kopftuch tragen. Auch Jörgs sehr knappe Badehose wurde von den Sittenwächtern mokiert. Er hatte sofort ins Wasser zu gehen.

Nach etwas mehr als einer Stunde fuhren wir weiter, aber nicht weit, es gab bald darauf Mittagessen. Das Restaurant bot nur Lammspieße mit Reis und gegrillten Tomaten an, da war die Auswahl nicht schwer. Die Spieße waren aber sehr lecker und der Laden war voll. Die meisten tranken dazu einheimisches Cola, was auch nicht schlecht war.

Bis zur Stadt Nur blieben wir danach noch an der Küste, dann bogen wir nach Süden ab. Wir fuhren jetzt zurück in die Berge in Richtung Teheran. Heute am Freitag steckten wir dabei ein paarmal im Stau fest, aus der Hauptstadt fahren viele am Wochenende ans Wasser. Nach einem etwa zwei Kilometer langen Tunnel machten wir eine Teepause, bevor sich unser Busfahrer wieder ins Getümmel stürzte. Ab und zu konnten die rechts Sitzenden jetzt schon den Vulkan Damavand sehen, den wir von Osten nach Süden umfuhren. Da die Straße in einer Schlucht verlief, war das aber nur selten der Fall.

Im Ort Polour verließen wir die Straße am Fluss Haraz und fuhren jetzt nur noch ein kurzes Stück bis zu einem Haus der iranischen Bergsteigergesellschaft. Dort blieben wir für die Nacht, alle in einem Zimmer mit sechs Stockbetten. Gerhard gab mir Jod für meinen Zeh, der inzwischen eine interessante Farbe angenommen hatte. Zum Abendessen gab es heute nur Obstsalat, dem ich aber nur wenig zusprach. Ich hatte Angst vor einer Allergie, mir ist es schon mehrfach auf Reisen passiert, daß mir Früchte einen Allergieschock verpassten. Um 23:30 Uhr waren dann nur noch Michael und ich am Tisch, er las während ich schrieb.

 

8. Tag, Samstag

Endlich schlief ich mal wieder gut, ich wurde in der Nacht nur einmal wach und keiner schien zu schnarchen. Das Frühstück war heute leider nicht sehr frugal, weswegen mir später beim Laufen der Magen grummelte. Jörg und ich hatten wieder das Gepäck reduziert und beschränken uns auf meine Reisetasche, der Rest blieb in seinem Rucksack in der Unterkunft zurück.

Wir wurden in drei uralte Nissan-Geländewagen gepackt und in einer Stunde zum Einstieg der heutigen Tour gebracht. Kurz nach 10 Uhr liefen wir in 3030 Metern Höhe los, wobei es diesmal Pferde waren, die uns das Gepäck hinterher brachten. Das Wetter war warm und keine Wolke am Himmel, trotzdem hatte ich den ganzen Tag die Jacke an. Ich wollte keinen Sonnenbrand riskieren. Bei einer kleinen Moschee ging es los, wieder in sehr langsamem Schritt. Das hatte sich schon die Tage zuvor bewährt. Mein Zeh machte in den festen Wanderschuhen keine Probleme und bis zum Abend hatte ich ihn vergessen. Zwei ältere Iraner fanden unsere Geschwindigkeit auch gut, weswegen sie die meiste Zeit hinter uns her trotteten. Etwa alle 300 Höhenmeter legten wir eine Pause ein, wobei die Zweite etwas länger war. Unsere Gruppe zog sich später auseinander, nur noch fünf blieben bei Farid und Daniel, die anderen liefen voraus. Das passte Daniel nicht, wie er später noch deutlich betonte.

Am Nachmittag erreichten wir nach 1200 Höhenmetern die Hütte Bargah-e-Sewom (Lager 3), unser heutiges Ziel auf etwa 4220 Metern. Amir war schon früher angekommen und hatte eine kräftige Nudelsuppe gekocht. Nach dem Essen unterhielten wir uns über das Programm der nächsten Tage, doch dann wollte ich endlich meinen ersten Geocache im Iran finden. Er lag etwa 80 Meter höher am Berg bei einem Felsen und die halbe Gruppe ging mit. Nach einigem Suchen wurde ich glücklicherweise fündig und wir machten ein Gruppenbild um die kleine Plastikdose. Wieder zurück an der Hütte blieb uns nicht mehr viel Zeit, schon um 19:30 Uhr gab es Abendessen. Das waren Spaghetti mit Fleischsoße, leider bekam ich heute nur einen kleinen Nachschlag. Nach letzten Instruktionen für den kommenden Tag bereitete ich noch meinen Rucksack vor, bevor ich zum Schreiben zurück in den Gemeinschaftsraum ging. Im Schlafsaal waren heute so um die 40 bis 50 Leute untergebracht.

 

9. Tag, Sonntag

Erneut hatte ich schlecht geschlafen, ich wachte mit Kopfschmerzen auf. Zum Glück hatte ich meine Isomatte dabei, Matratzen waren hier nämlich keine vorhanden. Das hatte man vorher vergessen zu erwähnen, ich war aber auf Nummer Sicher gegangen. Um 5 Uhr gab es Frühstück für uns, da waren die meisten anderen Bergsteiger aber schon unterwegs. Wir selbst gingen um 5:50 Uhr los, allerdings kam Roman nicht mit und Rüdiger und Gerhard begleiteten uns nur ein Stück. Nach etwa 300 Höhenmetern kehrten sie um, da beide Darmprobleme hatten und die Gruppe nicht evtl. zur Umkehr zwingen wollten.

Wir hatten heute fast 1500 Höhenmeter zurückzulegen und der Aufstieg ging sehr langsam vor sich. Als die Sonne aufging, zeigte sich keine Wolke am Himmel und die Kleidung konnte etwas reduziert werden. Wieder machten wir etwa alle 300 Höhenmeter eine Pause, die aber nie sehr lange dauerte. Ich hatte als Verpflegung heute nur Powergel dabei, doch das erleichterte mir den Aufstieg deutlich. Trotzdem war es sehr anstrengend und ich wusste nicht, ob ich den Krater erreichen würde. Es ging mir zwar nicht besonders gut, doch wurde mein Zustand unterwegs aber auch nicht schlechter und als wir dann den Kieshang unter dem Kraterrand erreichten, war klar ich würde auch den Gipfel schaffen.

Um 12:20 Uhr war ich oben, auf 5612 Metern Höhe laut meinem GPS, nicht wie angegeben auf 5671 Metern. Die ganze Gruppe trudelte so nach und nach ein, auch wenn einige an ihre Grenzen gingen. Natürlich waren Amir und Farid dabei, der eine vorneweg und der andere hintendrein. Wir hatten oben etwas Zeit für uns, die ich für eine Umrundung des Kraters nutzte. Ab und zu zogen Schwefeldämpfe vorbei, die zum Husten reizten und außerhalb des Kraters aus Spalten aufstiegen.

Um 13:13 Uhr machten wir uns wieder an den Abstieg, der weitere 3 Stunden dauerte und auch ein paar kleine Pausen enthielt. Zurück an der Hütte qualmten mir die Füße und ich war ziemlich geschafft. Mein geprellter Zeh hatte aber zum Glück keine Probleme gemacht. Um 17 Uhr gab es eine Suppe, der ich ordentlich zusprach. Nur das Gel als Nahrung war zu wenig gewesen, ich brauchte jetzt was Ordentliches im Magen. Später um 20 Uhr bekamen wir noch ein Abendessen, das aus Reis mit einer schwarzen Fleisch-Bohnen-Mischung bestand. Davon war aber nicht sehr viel vorhanden, beim Nachschlag mussten wir uns einschränken. Nach dem harten Tag waren kurze Zeit später alle recht früh im Bett.

 

10. Tag, Montag

Frühmorgens ging das geräuschvolle Aufstehen und Packen in dem großen Schlafraum wieder los, obwohl unsere Gruppe noch liegenbleiben konnte. Bis kurz vor 7 Uhr hielten es die meisten von uns in ihren Schlafsäcken aus, doch dann wurden auch unsere Rucksäcke und Taschen eingeräumt und für den Abstieg vorbereitet. Nach einem dünnen Frühstück wurden die Taschen außen deponiert, um auf die Transportmulis zu warten. Auch Roman gesellte sich dazu, er hatte sich wohl tags zuvor auf der Treppe einen Fuß verstaucht und wollte jetzt den Berg hinunter reiten. Die Kosten dafür wollte er sich von der Versicherung bezahlen lassen, keine Ahnung ob das geklappt hat. Wir anderen machten uns an den Abstieg von erneut 1200 Metern, wobei Farid ein ziemliches Tempo vorlegte. Ich fiel deshalb bald zurück, mir war das für den steilen Berg zu schnell.

Kurz nach dem Passieren der 4000-Meter-Marke geschah es dann, Karin glitt nach dem Schießen eines Fotos aus, drehte sich um sich selbst und brach sich dabei Unterschenkel und Fuß. Gerhard, unser Arzt, war rasch bei ihr und nahm eine erste Versorgung vor, während telefonisch ein weiteres Maultier zum Transport der Verletzten geordert wurde. Wir anderen warteten so lange bei einer Gruppe junger Iraner, die in der Nähe Pause gemacht hatten. Sie hatten es tags zuvor nicht auf den Berg geschafft, da sie es ohne Akklimatisierung versuchten.

Als klar war, daß der Transport von Karin per Reittier vonstattengehen würde, machten wir anderen uns wieder auf den Weg, diesmal mit Amir als Führer vorneweg. Auch er war einigen zu schnell, so daß sich die Restgruppe bei der Ankunft an der kleinen Moschee und den wartenden Geländewagen wieder ziemlich auseinander gezogen hatte. Nicht viel später, kurz nach 12 Uhr, kamen dann erst Roman und dann auch Karin hoch zu Ross am Treffpunkt an. Farid führte Karins Pferd. Unsere Verletzte bekam die Rückbank eines Wagens ganz für sich, wodurch die anderen etwas enger zusammenrücken mussten. In etwas mehr als einer Stunde fuhren wir jetzt zurück nach Polour zum Haus, in dem wir drei Tage zuvor übernachtet hatten. Dort gab es ein Mittagessen, zubereitet durch die Frau unseres Busfahrers, der mit seinem Gefährt hier schon auf uns wartete. Später holte ein Krankenwagen Karin ab und nur Gerhard und Daniel fuhren mit. Wir anderen fuhren mit dem Bus zurück nach Teheran zum gleichen Hotel wie am Anfang der Reise.

Dort wurde erst auf Nachricht von Karin gewartet, bevor wir den zusätzlichen Tag in Teheran an Farid bezahlten. Er und Amir wurden anschließend verabschiedet, für die beiden war unsere Betreuung hier zu Ende. Danach war endlich Zeit für eine ausgedehnte Dusche und die Neuordnung des Gepäcks. Um 18 Uhr trafen sich danach 5 von uns für einen Spaziergang in die Stadt, der mit einer U-Bahn-Fahrt in den überfüllten Waggons begann und endete. Zwischendurch schlenderten wird durch den Stadtpark und einen kleinen Teil der Basare, die aber gerade am Schließen waren. Um 20 Uhr mussten wir zurück im Hotel sein, dort gab es heute das Abendessen. Auch Karin gesellte sich mit Krücken und eingegipstem Fuß hinzu. Nachdem das alkoholfreie Bier alle war, löste sich die Runde bald auf und alle verschwanden in ihren Zimmern. Karin und Thomas bemühten sich allerdings noch um einen Flug nach Hause für den nächsten Tag.

 

11. Tag, Dienstag

Bei mir klingelte der Wecker bereits um 6:30 Uhr, obwohl das Frühstück erst um 8 Uhr begann. Ich wollte doch noch einen Cache in Teheran finden und machte mich bald darauf auf den Weg. Ich nahm die U-Bahn zuerst in Richtung Süden und bog dann nach Westen ab. Leider hatte ich danach noch ein ganzes Stück zu laufen, so daß ich erst nach 45 Minuten den Cache erreichte und ihn zum Glück schnell fand. Beim Rückweg hatte ich dann ein paar Schwierigkeiten die richtige Bahn zu finden und kam deshalb etwa 10 Minuten zu spät beim Frühstück an. Trotz Buffet war es leider nicht besonders. Thomas und Karin waren nicht mehr dabei, sondern schon im Flugzeug unterwegs nach München. Daniel war ziemlich geschafft, da er sie zum Flughafen begleitet hatte und erst nach 3 Uhr zurückgekommen war.

Um 9 Uhr waren alle anderen im Bus, der heute noch eine Stadtrundfahrt machen sollte. Zuerst brachte er uns zum Nationalmuseum, wo Kunst- und handwerkliche Exponate der iranischen Frühgeschichte ausgestellt waren. Yadi, unsere neuer iranischer Guide, versuchte vieles zu erklären, trotzdem fand ich diesen Teil der Tour nicht besonders interessant.

Bald darauf ging es weiter zum Golestan Palast, wo wir einige der zugänglichen Räume besichtigten. Teilweise war dort das Fotografieren untersagt, der überbordende Schmuck der Zimmer wäre oft auf Bildern auch gar nicht zur Geltung gekommen.

Anschließend gingen wir zum Mittagessen in ein typisch iranisches Restaurant, wo ich mich heute auf Gemüse beschränkte. Ich wollte ja nicht jeden Tag Huhn oder Lammfleisch essen. Später besuchten wir dann das Juwelenmuseum, wo keinerlei elektronisches Gerät erlaubt war und wir deshalb Kameras und Handys im Bus ließen. Die Ausstellung war in einem schwach beleuchteten Tresorraum mit meterdicker Stahltür. Es gab Unmengen an Rubinen, Smaragden, Diamanten und anderen Edelsteinen zu sehen, meistens verarbeitet an Waffen oder anderen persönlichen Gegenständen.

Es war gegen 16:30 Uhr, als wir uns auf den Weg zum nationalen Flughafen in Teheran machten. Unterwegs stoppten wir aber noch am Azadi-Monument, einer Art Triumphbogen im morgenländischen Stil. Er wurde Anfang der Siebziger noch vom Schah erbaut. Man hätte zwar im Inneren hinauffahren können, doch kam man oben nicht ins Freie, weswegen wir uns das Geld sparten.

Später am Flughafen kam ich ausnahmsweise mal gut durch die Kontrollen, zuvor war ich etwas besorgt gewesen, da mein Gepäck ein paar Kilo Übergewicht besaß. Es ging aber alles glatt. In etwa einer Stunde flog uns Saha Airlines nach Schiras, wo es bei der Ankunft bereits dunkel geworden war. Ein roter Reisebus, den wir für die nächsten Tage behalten würden, wartete bereits auf uns und fuhr uns im abendlichen Stau zum Karim Khan Hotel. Dort blieben wir für zwei Nächte. Wegen der fortgeschrittenen Zeit nahmen wir das Abendessen im Hotel zu uns, leider ließ die Qualität zu wünschen übrig. Es kam spät, war kalt und oft auch nicht das bestellte Essen. Auch war die Hälfte der Gerichte auf der Speisekarte der Küche inzwischen ausgegangen. Ich ging deshalb früh ins Bett, wobei mir heute dank einer ziemlichen Müdigkeit die Kraft zum Schreiben fehlte.

 

12. Tag, Mittwoch

Ich weiß nicht, ob es am Flug oder am Klima lag, am Morgen fühlte ich mich auf jeden Fall nicht besonders gut. Deshalb achtete ich beim Besuch des Bagh-e Eram Parks darauf, mir bei den Erklärungen Yadis wenn möglich einen Sitzplatz zu sichern. So schlapp fühlte ich mich heute in der Frühe. Zum Glück ging es mir dann im Laufe des Tages immer besser.

Als nächstes besuchten wir die Ali ebn-e Hamzeh Moschee, wo es an den Wänden keine gemalten Blumenmuster gibt, sondern tausende von kleinen Spiegeln aufgeklebt sind, nicht plan, sondern in Form von Reliefs. Für mich war das zu viel der Ausschmückung, aber wem‘s gefällt... Immerhin bekamen wir dort in einem Nebenraum einen Tee, aber auch Informationsmaterial auf Persisch, das ich aber neben der Tasse liegen ließ. Später gingen wir dann in den Basar von Schiras. Dessen Gewölbe über den schmalen Straßen zwischen den Geschäften sind viel schöner als die in Teheran. Zu einem Basar im Iran gehören außer den Läden normalerweise noch ein Hammam (ein öffentliches Bad), eine Moschee, eine Karawanserei und eine Medrese (Wissenschafts- und Koranschule). Bis auf den Hammam konnten wir hier auch alles besuchen. Anschließend führte Yadi uns zu einem Restaurant mit rustikalem Ambiente, was an diesem Lokal aber auch das Beste war. Die Geschwindigkeit des Personals ließ zu wünschen übrig, so daß wir zwei Stunden dort verbrachten.

Danach sollte der Bus uns für die heißeste Zeit des Tages zurück zum Hotel bringen, doch Jörg und ich hatten Anderes vor. Wir spazierten zur Nasir-ol-Molk Moschee, weil dort ein Geocache versteckt sein sollte. Leider fanden wir ihn nicht, obwohl wir an der richtigen Stelle suchten. Er war weg und wurde erst nach meinem Urlaub ersetzt. Stattdessen besuchten wir die Moschee, die mit 150.000 Rial Eintritt für Touristen recht teuer war. Wenn morgens das Licht durch die Buntglasfenster fällt, ist dort die Stimmung am Schönsten, aber um darauf zu warten fehlte uns die Zeit. Auch so war der Bau ganz hübsch.

Wir kehrten nach der Besichtigung zu Fuß zum Hotel zurück, hatten dort aber nur wenig Zeit, denn schon um 17:30 Uhr wurde der Bus wieder bestiegen. Diesmal brachte er uns zum Hafis-Mausoleum, dem Grab eines bekannten persischen Dichters aus dem 14. Jahrhundert, der sogar Goethe beeinflusste. Das ein Poet, der über Wein, Weib und Gesang geschrieben hat, im Iran immer noch so verehrt wird, ist ein Wunder, auf jeden Fall war das Grab sehr gut besucht. Der kleine Pavillon ist als einziges von einem früheren Friedhof übrig geblieben, der Rest des Geländes wurde in einen Park umgewandelt.

In der Dämmerung fuhren wir weiter zum Schah Tscheragh Mausoleum, der Begräbnisstätte von zwei Brüdern des Imam Reza. In diese Pilgerstätte durften wir weder Kamera noch Rucksack mit hineinnehmen, außerdem bekam unsere Quotenfrau Annette einen Tschador verpasst. Fotografieren mit dem Handy war komischerweise erlaubt und ich machte fleißigen Gebrauch davon. Das Gelände war voll, viele Familien verbrachten hier die Abendkühle und waren nicht zum Beten hergekommen.

Als letzten Besuchspunkt heute Abend fuhren wir zum Koran Tor, wo ich mich von der Gruppe abseilte. Statt mit den anderen zum Abendessen zu fahren, wollte ich lieber einen Cache finden. Leider vergeblich, in der Dunkelheit konnte ich das Versteck nicht entdecken und die Gegend war wegen eines steilen Abhangs auch nicht ganz ungefährlich. Als dann auch noch die Taschenlampe Aussetzer bekam, machte ich mich auf den Weg zurück zum Hotel, kam dabei aber an einem Handyladen vorbei, der noch geöffnet war. Zwar hatte man mir am letzten Flughafen die Handykarte zurechtgeschnitten, doch funktionierte das Internet immer noch nicht, obwohl das iranische Netz erkannt wurde. Ein Angestellter des Ladens benötigte trotz des deutschen Betriebssystems nur zwei Minuten, um das Problem zu beheben, er schickte mich danach weg, ohne daß ich etwas zu Bezahlen hatte.

Vor dem Hotel traf ich auf unseren Wanderführer Farid, der wegen seiner Wanderstöcke gekommen war, die Friedrich noch in Teheran herrenlos aufgesammelt hatte. Er hatte gedacht, sie gehörten Daniel, dieser hatte seine aber woanders liegen gelassen. Ich wartete bei ihm während er sein Auto putzte, doch es dauerte noch eine geraume Zeit, bis meine Mitreisenden zurückkamen. Sie gingen zu Fuß, den Busfahrer hatten sie vor dem Essen nach Hause geschickt. Ein paar von uns trafen sich dann noch in Daniels Zimmer für einen Umtrunk mit echtem Schnaps. Den hatte Yadi besorgt und auch Farid gesellte sich dazu. Soviel zum Thema Alkoholverbot im Iran. Leider kam ich nach dem Auseinandergehen der Runde nicht gleich ins Bett, heute musste ich schreiben, es war viel nachzuholen. Das Handy zeigte 1:30 Uhr an, als ich endlich ins Bett kam.

 

13. Tag, Donnerstag

Da heute ein langer Fahrtag war, mussten wir etwas früher frühstücken, denn die Abfahrt war für 8 Uhr vorgesehen. Um 7 Uhr war aber das Buffet noch etwas dünn und eine französische Gruppe war auch noch anwesend. Fast pünktlich fuhren wir los und zwar in Richtung Nordosten nach Persepolis, der alten Hauptstadt des antiken Perserreichs. Im Bus hatte ich mich für einen Sitz direkt vor einer Kiste voller Wasserflaschen entschieden. Dessen Lehne war zur Fixierung der Kiste nach hinten geklappt und ich konnte auf diesem Platz gut schlafen und störte dabei niemanden. Das nutzte ich die nächsten Tage weidlich aus.

Nach 70 Kilometern Fahrt erreichten wir die Ruinen der Stadt Persepolis, wo das Thermometer heute auf 38° kletterte und es fast keinen Schatten gab. Guter Sonnenschutz und genügend Wasser waren bei der Besichtigung vonnöten. Yadi führte uns 90 Minuten herum und machte auch mal eine Pause an einem schattigen Plätzchen am Rand des künstlichen Plateaus. Später gab es uns noch 45 Minuten freie Zeit in der von Alexander dem Großen eroberten ehemaligen persischen Hauptstadt. Jörg und ich sahen uns in dieser Zeit die Gräber von Artaxerxes 2 und 3 an, die etwas erhöht an einem Hang lagen. Wir waren dann auch die letzten am Bus.

Nur wenige Kilometer entfernt lag Naqsch-e Rostam, wo vier weitere Felsengräber zu besichtigen waren. Nachdem wir uns dort in der gefühlt noch stärkeren Hitze vorbeigeschleppt hatten, legten wir vor dem Komplex eine Mittagspause ein. Es gab aber nur Brot, Tomaten und Gurken, dazu noch zwei Melonen. Außerdem meckerten die ansässigen Händler, daß wir die Tische unter dem Sonnendach benutzten, ohne bei ihnen etwas gekauft zu haben.

Wieder zurück im Bus legten wir anschließend fast 300 Kilometer zurück, die ich zum größten Teil hinter zugezogenen Vorhängen verschlief. Leider verpasste mir dabei die hochgedrehte Klimaanlage bis zum Abend eine ordentliche Erkältung, die ich auch mit zurück nach Deutschland nahm. Einmal hielten wir heute noch an einer Raststätte im Nirgendwo, wo Tee und Instant Kaffee getrunken und Bananen und Kekse gegessen wurden.

Die nächste große Stadt Isfahan erreichten wir erst nach Einbruch der Dunkelheit. Das Abendessen gab es deshalb um 22 Uhr auf dem Dach unseres Hotels. Dort war es angenehm kühl, wenn auch heute ziemlich voll. Jörg und ich gingen dann noch gegen Mitternacht für eine Stunde zum nicht weit entfernten Meidan, dem Hauptplatz der Stadt. Dieser war trotz der späten Stunde noch voller Iraner und wir kamen mit einigen ins Gespräch, während ich einige Nachtaufnahmen machte. Wieder zurück im Zimmer mussten wir beide schreiben, um nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten. Erst um halb 3 Uhr kam ich deshalb ins Bett.

 

14. Tag, Freitag

Für 7 Uhr morgens hatte ich mir am Abend ein Taxi bestellt, das aber nicht pünktlich da war. Nach 10 Minuten Wartezeit ging ich zur Rezeption, wo mir gesagt wurde, der Fahrer hätte angerufen. Er kam dann als ich schon auf der Suche nach einem anderen Taxi war. Erst um 7:20 Uhr war ich auf dem Weg zum Monar Dschonban, einem Mausoleum in acht Kilometern Entfernung. Dort gab es den einzigen Geocache, der für mich in Isfahan erreichbar war. Ich wurde auch fündig, entdeckte jedoch nur einen Logzettel ohne Dose. Das Mausoleum selbst mit seinen schwingenden Minaretten konnte ich nicht besuchen, es war noch geschlossen.

Um 8 Uhr war ich zurück im Hotel und ging direkt zum Frühstück. Eine Stunde später wir ins armenische Viertel, wo wir die christliche Vank-Kathedrale als Kontrast zu den ganzen muslimischen Städten besuchten. Besonders der Innenraum war komplett mit bildlichen Darstellungen ausgefüllt. Später brachte der Bus uns zum Meidan und verließ uns dort für den Rest des Tages. Wir gingen zu Fuß zu den bedeutenden Gebäuden rund um den Platz, zuerst zur Königsmoschee im Süden, die gerade mit einem Dach im Hof für den kommenden Trauermonat vorbereitet wurde. Danach folgten die Lotfollah-Moschee im Osten und die Hohe Pforte im Westen, wo wir zu einer erhöhten Plattform aufstiegen, von der man einen schönen Blick über den Platz hatte. Anschließend gingen wir zum Mittagessen hinein in die Arkaden rund um den Platz.

Danach war Siesta angesagt, doch Jörg und ich umrundeten den Platz auf der Suche nach Souvenirs. Ich würde fündig, er nicht. Wir kehrten später auch zum Hotel zurück, hatten aber keine Muße, sondern mussten beim Schreiben aufholen.

Um 17 Uhr ging ein Teil der Gruppe wieder gemeinsam los. Zurück am Meidan besuchten wir ein uriges Teehaus, wo der Besitzer seiner Sammelleidenschaft alter Gegenstände gefrönt hatte. Yadi gab uns hier einen Tee aus. Später spazierten wir durch den Basar im Norden des Platzes, was fast etwas unheimlich war. Heute am Freitag blieben die meisten Läden geschlossen und es waren nur wenige Leute in den tunnelartigen Gewölben unterwegs.

Durch den Rajayi-Park gelangten wir dann zur 33-Bogen-Brücke über den Fluss Zayandeh Rud, der im Moment allerdings keinerlei Wasser führte. Ein Staudamm weiter flussaufwärts ist hauptsächlich daran schuld. Dort trafen wir Annette, Rüdiger und Gerhard, so daß die Truppe vollständig war. Gemeinsam gingen wir nach der Besichtigung in der Nähe Essen, was mir heute aber überhaupt nicht gefiel. Unser Tisch lag direkt bei der Essensaus- und Tellerrückgabe und dort war es laut. Ich war deshalb direkt nach dem Essen raus aus dem Lokal und ging mit Jörg und Rüdiger auch sofort zurück ins Hotel.

 

15. Tag, Samstag

Das letzte Frühstück im Iran begann um 8 Uhr, wodurch ich mal wieder etwas länger schlafen konnte. Das Gepäck hatten wir zum größten Teil vorbereitet, deshalb ging das Beladen des Busses flott von der Hand. Wir waren pünktlich unterwegs in Richtung Teheran.

Zuvor gab es aber noch zwei Besichtigungen zu machen, als Erstes die Chadschu-Brücke aus dem Jahr 1650. Die Brück kann bei Bedarf den Fluss zwei Meter aufstauen, dazu muss er aber natürlich Wasser führen, was heute Morgen immer noch nicht der Fall war. Yadi drängte nach einiger Zeit zum Aufbruch, denn es wartete noch der 40-Säulen-Palast. Das war aber ein Marketing-Trick, die Anzahl wurde durch die Spiegelung der echten 20 Säulen in einem Teich vor dem Gebäude erreicht. Dafür war aber das Innere interessant mit Schlachten- und Gelageszenen bemalt. Weil heute der Samstag ein Feiertag war, besuchten auch viele Iraner das Gelände.

Wir verließen jetzt Isfahan und fuhren in Richtung Nordosten bis zur etwa 120 Kilometer entfernten Stadt Natanz. Dort sahen wir uns ein Mausoleum aus dem frühen 13. Jahrhundert an. Es fehlten Kacheln und Bemalung, das Innere war in einfachem Weiß gehalten und an vielen Stellen restaurierungsbedürftig. Nebenan gab es einen Töpfer, der statt Ton Steinmehl verwendete. Dort gaben die meisten von uns ihre letzten Rial aus.

Danach machten wir ein Picknick im kleinen Park der Stadt. Wieder gab es Brot, Tomaten, Gurken und Frischkäse, doch diesmal waren wir von iranischen Familien umgeben, die das Gleiche machten. Sie liehen uns einen Teppich als Unterlage und spendierten einen Teller gebratenes Hühnerfleisch. So etwas würde in Deutschland niemals passieren. In Natanz liegt übrigens eine Urananreicherungsanlage des Iran. Seit deren Bau haben sich die Grundstückspreise dort verfünffacht.

Gesättigt fuhren wir kurze Zeit später ein Stück weiter zum Matin Abad Camp, wo wir heute bis Mitternacht blieben. Doch nach einem Begrüßungstee legten wir uns nicht hin, sondern fuhren auf dem Anhänger eines Traktors ein paar Kilometer hinaus in die Wüste. Das letzte Stück hinauf auf den Kamm einer schon weit sichtbaren Düne gingen wir zu Fuß. Oben sahen wir uns den Sonnenuntergang an. Im Dunkeln kehrten wir zum Camp zurück und aßen gleich zu Abend. Zum Abschied wurde noch eine Flasche alkoholfreien Sekts spendiert. Yadi und der Busfahrer Resa bekamen ihre Trinkgelder und wir legten uns anschließend noch zwei Stunden hin.

 

16. Tag, Sonntag

Wie geplant ging die Fahrt um Mitternacht weiter, die meiste Zeit davon verschlief ich. Auch bei der Pause an einer Edelraststätte blieb ich im Bus. Am Flughafen in Teheran dauerte es etwas, bis wir die richtige Schlange fanden, trotz der frühen Stunde war das Terminal gerammelt voll. Von Yadi konnte ich mich nicht mehr verabschieden, er war plötzlich verschwunden und schon unterwegs zu seiner nächsten Gruppe.

Einchecken und Kontrollen dauerten heute recht lange und die ersten Passagiere gingen schon an Bord des Flugzeugs, als wir gerade am Gate eintrafen. Ich hatte aber doch noch die Zeit, fast mein ganzes restliches iranisches Geld auszugeben. Das Einsteigen in die Maschine von Mahan Air dauerte wirklich lange und erst kurz vor Abflug setzte sich Annette auf den Platz neben mir. Die Sitze waren eng, die Flugzeit mit fünf Stunden dafür zum Glück nicht zu lang. Ich schlief wenig, sondern unterhielt mich die meiste Zeit mit meiner Nachbarin. Zweimal gab es unterwegs etwas zu Essen, doch Menge und Qualität waren nicht der Rede wert.

Bei der Ankunft in München gehörte ich zu den Letzten, die durch die Passkontrolle kamen. Trotzdem war meine Tasche noch nicht da, als ich am Gepäckband eintraf. Roman und ich mussten sehr lange auf unser Gepäck warten, daß ich mir schon Sorgen um unseren Anschlusszug machte. Schließlich tauchten die Taschen doch noch auf, doch die anschließende Verabschiedung musste kurz ausfallen. Zum Glück erreichten wir noch die gewünschte S-Bahn zum Hauptbahnhof. Roman war auch dabei, verließ uns aber nach der Ankunft. Jörg und ich gönnten uns je einen Burger, mussten uns dann aber beeilen, den ICE zu erreichen. Leider passten die gebuchten Plätze diesmal nicht zum Grundriss des Wagens, Jörg saß hinter mir statt gegenüber. Der Zug war aber voll, so daß ich froh war, reserviert zu haben. Die Fahrt verging ereignislos und am Frankfurter Hauptbahnhof verabschiedete ich mich von meinem Mitreisenden. Mein Regionalzug wartete zwar schon, ich konnte ihn aber erst eine Viertelstunde später betreten. So lange blieben die Türen noch geschlossen. Die Fahrt nach Bad Camberg verging wie im Flug, bei der Ankunft dort warteten schon meine Mutter am Bahnsteig und mein Vater im Auto auf mich.